Eine Illustration von Matthias Holländer

Illustration – Storytelling der besonderen ART

Matthias Holländer alias „der Holle“ – professioneller Illustrator aus Bonn

Der Regen prasselte in kalten Fäden nieder verstärkt durch den starken seitlichen Wind, der unsere Hosen in wenigen Sekunden durchnässt. Der Illustrator Matthias Holländer alias Der Holle und ich betreten nass und durchgefroren ein Bonner Irish Pub, setzen uns in eine ruhige Ecke und freuen uns, dass wir einen entspannten Abend vor uns haben. Ein Guiness und einen Cider ordern wir, dazu Fish & Chips. Und wir wollen uns etwas später einen Whiskey gönnen.

Vor knapp sieben Jahren lernten wir uns kennen als die Illustratorin Tanja Meyer mich ansprach, ob ich mit ihr, Matthias und dem Illustrator Alex Graf eine Ausstellung machen möchte – das Thema: Illustration aus Bonn. Als ich dann Matthias’ Arbeiten sah, war ich maximal begeistert und eingeschüchtert zugleich. Er kann einfach unfassbar gut zeichnen und er besitzt die besondere Gabe mit wenigen Strichen und seinem unverwechselbaren Zeichenstil Geschichten in verträumte Bilder zu verwandeln. Ob mit dem Kugelschreiber, mit dem Pinsel oder auf dem Grafiktablett – es sind die kleinen Details, die märchenhaften Charaktere und die für ihn typische reduzierte Farbigkeit, die jede Darstellung so spannend machen. Matthias illustriert professionell, mit Leidenschaft und mit einem unverkennbaren Stil.

Einen Vogelillustration von Matthias Holländer
Ausstellungsbild vom Büro des Zoologen und Begründer des heutigen Museums Koenig in Bonn Alexander Koenig.

Wir stoßen an und reden erst einmal über unser Dasein als Väter und über das alltägliche Jonglieren mit den eigenen Ressourcen. Er kümmert sich aktuell tagsüber um die kleine Tochter und kann erst arbeiten, wenn seine Frau am Nachmittag zu Hause ist. Nicht ganz einfach, da kreative Leistung eben nicht auf Knopfdruck kommt und der Tag mit Kind sehr ermüdend sein kann.

Wir sprechen über seine Auftragslage und auch über einen meiner Blogbeiträge zum Thema KI Bildgeneratoren. Natürlich interessiert mich, wie er die Entwicklung von Generative AI sieht und ob er ein Risiko für seinen Beruf sieht.

T: Machst du dir Gedanken um deine Zukunft, wenn du die aktuellen Entwicklung und Möglichkeiten siehst oder belächelst du die Ergebnisse eher?

M: Der Job eines Illustrators ist stets im Wandel. Auch wenn man seinen Zeichenstil und seine Nische in der Branche gefunden hat, muss man trotzdem die aktuellen Trends verfolgen und sich weiterbilden. Ich habe schon recht früh angefangen, digital zu zeichnen und bin damit sozusagen aufgewachsen. Für meine Vorgänger, die stets auf Papier gezeichnet haben, muss das digitale Zeichnen am Computer eine riesige Veränderung in ihrem Job gewesen sein. Plötzlich hat man so viele neue Möglichkeiten, eine Illustration zu erstellen: Man kann mit mehreren Ebenen arbeiten, ist viel schneller und flexibler beim Ausprobieren und Durchführen von Korrekturen. Ich sage nur STRG+Z! Am Anfang war es bestimmt nicht einfach, den Bleistift wegzulegen und durch einen Plastikstift zu ersetzen. Ich erinnere mich noch gerne an meinen ersten Versuch, auf einem Grafiktablett zu zeichnen, und wusste nicht, ob ich besser auf die graue Plastikfläche meines A6-Grafiktabletts oder auf den Monitor schauen sollte. Bei den meisten Illustratoren ist das digitale Zeichnen gar nicht mehr wegzudenken, und ich sage es noch einmal: STRG+Z!

Die KI ist eine Neuerung, die ebenfalls erst einmal alles auf den Kopf stellt. Doch in unserem Job gehören solche Neuerungen dazu. Ruhe bewahren, ausprobieren und überlegen, wie man die Technik für sich nutzen kann. Vielleicht bekomme ich ja auch irgendwann in der Zukunft eine Tantiemenabrechnung, in der steht, dass jemand die KI genutzt hat, um Bilder zu kreieren, und dass in den Bildern X % meiner Zeichnungen und Ideen stecken.

T: Es heißt ja, dass Kreative von KI profitieren, weil sie Zeit sparen. Siehst du für dich schon einen Nutzen?

M: ChatGPT hilft mir manchmal beim Formulieren von E-Mails, beim Übersetzen oder schreibt für mich Antworten auf Interviewfragen wie diese. 😉
Ich probiere zwischendurch immer mal wieder die Bildgeneratoren aus und schaue, wie weit die Technik ist, aber bisher reicht mir die Google-Bildersuche, Pinterest und Bücher, um mir schnell ein paar Bildreferenzen zu liefern.

Eine Illustration einer Straße mit einer Biene
Auszug aus dem Buch Frau Hummel und Herr Grummel

TV: Ich habe bei meiner Recherche zu KI Bildgeneratoren viele schlechte oder lieblose Illustrationen gesehen. In diesem Zusammenhang habe ich mir die Frage gestellt: Was ist eigentlich gute Illustration? Mein erster Gedanke war: Es ist die perfekte Kombination aus Geschichte und Zeichenstil. Wie siehst du das?

M: Das ist eine schwierige Frage. Eine Illustration steht ja immer im Kontext zu etwas. Wenn sie den Kontext gut unterstützt oder ergänzt, ist das schon die halbe Miete. Alles Weitere liegt im Auge des Betrachters, dessen Geschmack und ob die richtigen Gefühle durch die Illustration ausgelöst werden. Aus diesem Grund ist eine Illustration auch immer einer bestimmten Zielgruppe zuzuordnen und kann nicht jedem Menschen der Welt gefallen.   

T: Ich glaube, dass viele den Prozess und den Aufwand einer Illustration gar nicht vor Augen haben. Wie gehst du vor, wenn du mit einem Projekt wie dem Kinderbuch Frau Hummel und Herr Grummel startest?

M: Als ich das Manuskript für „Frau Hummel und Herr Grummel“ bekam, setzte ich mich mit einer schönen Tasse Kaffee auf den Balkon und las die Geschichte mehrmals durch. Beim Lesen kritzelte ich die Ränder mit Notizen und ersten Ideen voll. Anschließend habe ich viel über die Teddybären der Lüfte und deren Erwachen im Frühjahr gelesen und recherchiert. Nebenbei habe ich mir angeschaut, welche Kinderbücher es zum Thema Hummeln gibt (meine Tochter würde jetzt lauthals „HUMMEL BOMMEL“ rufen) und mir ein Moodboard mit Illustrationen und Fotos angelegt.

Mit diesem Wissen habe ich viele Skizzen, sowohl digital als auch auf Papier, von den Protagonisten im Buch und der Welt, in der sie leben, erstellt. Außerdem habe ich mir Gedanken zur Farbstimmung und zum Layout des Buches gemacht. Nachdem ich damit zufrieden war, habe ich ein grobes Storyboard erstellt und es mit der Autorin besprochen. Anschließend habe ich zwei Doppelseiten umgesetzt und wieder mit der Autorin gesprochen. Bei der Umsetzung der restlichen Seiten habe ich immer wieder etwas Abstand zum Buch genommen, alle Seiten regelmäßig ausgedruckt und das Buch als Ganzes betrachtet. Die meisten schönen, kleinen und kreativen Details gelangten im letzten Schritt ins Buch, als ich im Flow war und der Stift schon fast von alleine über das Zeichenbrett (wie eine Hummel) flog. Zum Schluss kamen das Cover und das Vorsatzpapier an die Reihe.

Illustration Kinderbuch Hummel
Buchcover Frau Hummel und Herr Grummel
EIne Illustration verschiedener Hummeln
Auszug aus dem Buch Frau Hummel und Herr Grummel

T: Für mich sind Illustratorinnen und Illustratoren die wahren Storyteller. Wenn Geld keine Rolle spielen würde – welche Geschichte würdest du dann illustrieren?

M: Ich glaube, dass jeder Illustrator seine eigene kleine Utopie im Kopf hat und daraus immer wieder kleine Dinge in seine Illustrationen einfließen lässt. Diesen Ort mit all seinen Bewohnern, Landschaften und Abenteuern aufs Papier zu bringen, wäre schon ganz nett, wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würden.

Eine Illustration eines Blauwals mit einem Kind auf dem Rücken
Eine Illustration eines U-Boots
Eine Illustration eines Bären

T: Wo holst du deine Inspiration her?

M: Inspiration finde ich überall. Wenn ich zu einem bestimmten Thema etwas illustrieren darf, versuche ich, es mit allem, was mich umgibt, zu verbinden. Abends, kurz vorm Einschlafen, rattert der Kopf dann noch einmal und spuckt manchmal eine gute Idee aus. Meist vergisst man diese dann wieder, aber im Laufe des Tages fängt man sie wieder ein.

T: Hast du Vorbilder?

M: Es gibt Illustratoren und Künstler, die ich sehr schätze und deren Werke mich sehr inspirieren, aber um ehrlich zu sein, habe ich keine wirklichen Vorbilder. Sollte ich?

Eine Kinderbuchillustration

Matthias zieht aus seiner Tasche einige Papiere raus, auf denen er schnelle Skizzen gemacht hat, legt sie auf den Tisch und gibt mir einen Kugelschreiber. „Zeichne was – ich muss mal auf’s Klo“ sagt er und verschwindet um die Ecke.

Ich schaue mir seine Skizzen an und denke nach. Eine KI macht keine Skizzen, um Gedanken und Ideen festzuhalten. Sie entwickelt keinen eigenen Stil, hat keine Persönlichkeit, keine Emotionen, keine Menschlichkeit. Sie macht sich keine Gedanken, sondern ist stumpf, von Algorithmus und Daten getrieben. Lieblos und ersetzbar sind die Begriffe, die mir bei meinen Recherchen in den Sinn kommen.

Matthias kommt zurück und nimmt einen großen Schluck von seinem Guinness, sodass wir die zweite Runde bestellen. Ich habe ein Glas mit einem Trickstrohhalm gezeichnet. Am Trinkstrohhalm hält sich ein Männlein fest. Nicht so schlecht aber im Vergleich zu Matthias’ Skizzen eben doch nur mittelmäßig.

Nach zwei weiteren Guiness und einem Whiskey machen wir uns auf den Heimweg. Der Regen hat aufgehört und wir laufen in Richtung Straßenbahn. Was ist mit einer nächsten Ausstellung fragen wir fast gleichzeitig? Lass uns mal Pausen machen dieses Jahr – uns fehlt beiden die Zeit und die Muße. Lieber mal zum Zeichnen treffen und was trinken.

Ich bewundere das, was Illustratorinnen und Illustratoren erschaffen

Wenn professionelle Illustratoren wie Matthias skizzieren, entwickeln und umsetzen, ist das ein Prozess, der Kreativität, Können und Erfahrung erfordert. Grafikdesigner halten mehr an ihrer Anonymität fest als Illustratoren, da ihr Fokus darauf liegt, die Ideen anderer Menschen mithilfe klassischer Designelemente zu vermitteln. Illustratoren dagegen werden oftmals anhand ihrer persönlichen Ästhetik und künstlerischen Fähigkeiten ausgewählt. Ihr persönlicher Stil macht sie aus. Wenn Algorithmen lernen, Bilder aus Beschreibungen zu generieren, dann verarbeiten sie dazu Bilder und Beschreibungen in grossen Mengen. Die wiederum stammen aus verschiedenen Internetseiten. Darunter sind Stock-Foto-Portale, aber auch Seiten, auf denen Kunstschaffende ihr Portfolio ausstellen.

Jede:r sollte verstanden haben, dass KI nur deswegen Bilder generieren kann, weil sie durch die (urheberrechtlich geschützten) Werke anderer lernt. Sie denkt sich nichts Neues aus, sondern ist auf Bilddaten und den Prompt angewiesen, der wie ein Briefing eine Anforderung stellt und zu einem Ergebnis führt. Natürlich ist sie schneller und liefert in sehr kurzer Zeit teils sehr gute Ergebnisse. Und es ist nur eine Frage der Zeit bis sie eine komplette Geschichte illustriert. Doch wollen wir das wirklich? Welchen Nutzen hat es, wenn eine KI Bilder generiert? Warum überlassen wir das Beste am Menschsein den Maschinen?

Ich will meinen Kindern kein Kinderbuch vorlegen, in dem eine KI die Bilder generiert hat. Diesen Anspruch habe ich nicht nur an ein Kinderbuch, sondern auch an jegliche Form von Kunst. Ich will die Arbeit der Person bewundern, ihr Können, den Prozess und das gestalterische Geschick, das in die Umsetzung geflossen ist. Ich will die menschliche Leistung würdigen. Und dafür zahle ich gerne einen höheren Preis.

Matthias Holländer erschafft als Buchillustrator emotionsgeladene Bilder, rückt Text mit einer Editorial Illustration ins richtige Licht, haucht als Brettspiel Designer Spielideen leben ein, fasst komplexe Inhalte einfach sowie auf den Punkt in einer Wissenschaftsillustration zusammen und bringt als Dozent Schülern etwas über Illustration bei. 

Als freiberuflicher Illustrator mit Arbeitsplatz in Bonn erschafft er zielgruppengerechte Illustrationen mit einem unverwechselbaren Zeichenstil, gepaart mit dem nötigen Humor und der Liebe bis ins kleinste Detail.

Matthias Holländer (Der Holle) lebt und arbeitet in Bonn.

www.derholle.de


Was ist eigentlich Illustration

Ganz einfach gesagt geht es um erzählende Bilder, von denen die ältestes Form als Höhlenmalerei bekannt ist. In Lascaux, Frankreich, fand man Darstellungen aus der Zeit ca. 15.000 v. Chr. Diese Bilder enthielten nacheinander bildliche Darstellungen oder Logogramme, die wichtige Ereignisse darstellten. In den antiken Zivilisationen Griechenlands und Italiens wurden Helden, Feste, mythologischen Erzählungen und Literatur, Begräbnisszenen und Sportereignisse gezeichnet oder auf Gefäße gemalt. Illustrative Wandmalereien und Bodenmosaike wurden geschaffen, um die Häuser der Reichen und Mächtigen zu schmücken.

Der Beruf des Illustrators setzt sich erst Anfang des 19. Jahrhunderts durch. Englische und französische Karikaturisten verdienten ihren Lebensunterhalt als hauptberufliche Illustratoren mit dem Verkauf von radierten oder gestochenen Drucken in kleinen, galerieähnlichen Druckereien und an Buchständen in den Straßen der Städte. Dadurch wurde die Illustration zugänglich und erschwinglich.

Illustration wurde weiter relevanter und Verleger betrachteten Illustration als eine Notwendigkeit – der Wettbewerb zwischen den Publikationen um die begrenzte Anzahl guter Illustratoren führte zu höheren Budgets für Kunst, was höhere Honorare und eine größere Anerkennung für die Künstler zur Folge hatte. Die besten Illustratoren wurden zu bekannten Persönlichkeiten und einige, wie Charles Dana Gibson und John Held, Jr. erreichten den Status von Berühmtheiten. Dann kam Walt Disney und etablierte sich in der Branche mit populären Zeichentrickfilmen wie Steamboat Willie (1928), dem ersten Zeichentrickfilm mit Ton.

Die Beziehungen zwischen der Spiele-, der Comic- und der Filmindustrie wurden enger, und Illustratoren spielten bei vielen Aspekten der Produktion eine wichtige Rolle, indem sie halfen, sonst unvorstellbare Welten zu visualisieren. Seitdem haben sich viele unterschiedliche Stile und Einsatzbereiche entwickelt. Während früher das Druckmedium im Fokus stand, findet Illustration heute vermehr digital statt. Die Anforderungen haben sich folglich auch verändert: Videos, Spielkonsolen, Online Games, Websites und Apps erfordern Kenntnisse, die über das Kreative hinausgehen

Illustrationen können, ähnlich wie Cartoons, auf kleinstem Raum eine Story erzählen, die Fantasie anregen und eine Welt vermitteln. Fotografie kann das so nicht. Und angesichts der digitalen Bilderfluten bei Instagram und Co ist die Illustration ein Stilmittel, das sich individualisieren lässt und auf eine fantasievollere Art erlaubt, Geschichten zu erzählen und Informationen zu übermitteln.
Grafikdesigner Adrian Shaughnessy formuliert es so: „Die Fähigkeit von Grafikdesign, eindeutige Botschaften zu vermitteln, macht es zu einer bedeutenden Kraft in der modernen Welt: Es ist in der kommerziellen Infrastruktur fest verankert. Die schwammige Mehrdeutigkeit und Fähigkeit, metaphorisch Gefühle und Emotionen zu transportieren, macht Illustration hingegen zu gefährlich für die Welt der Unternehmen.“

Grafikdesigner halten mehr an ihrer Anonymität fest als Illustratoren, da ihr Fokus darauf liegt, die Ideen anderer Menschen mithilfe klassischer Designelemente zu vermitteln. Illustratoren werden oftmals anhand ihrer persönlichen Ästhetik und künstlerischen Fähigkeiten ausgewählt.

Abstrakte Struktur

Bildgenerierung mit KI – mit dem passenden Prompt die Basis schaffen

Seit letztem Jahr wurden mehr als 15 Milliarden Bilder mit Hilfe von Text-zu-Bild-Algorithmen erstellt und seit dem Start von DALLE-2 erstellen Menschen durchschnittlich 34 Millionen Bilder pro Tag. KI-Bildgeneratoren – es ist schwierig, eine genaue Anzahl zu nennen, da die Entwicklung und Veröffentlichung solcher Systeme kontinuierlich stattfindet und sich die Landschaft der KI-Technologie ständig verändert. Es gibt zahlreiche KI-Modelle und Algorithmen, die für die Generierung von Bildern verwendet werden können, darunter Generative Adversarial Networks (GANs), Variational Autoencoders (VAEs), und viele weitere.

Bildgenerierung mit KI – Anbieter sind beispielsweise Midjourney StyleGAN und StyleGAN2 von NVIDIA, DALL-E von OpenAI oder BigGAN. Zusätzlich zu diesen bekannteren Modellen gibt es eine Vielzahl von weiteren oder spezialisierten Modellen, die von Forschern und Entwicklern auf der ganzen Welt erstellt wurden. Bei meinen Recherchen und Tests bin ich auf DeepDream gestoßen. Ursprünglich von Google entwickelt, wird DeepDream verwendet, um Bilder zu verfremden und ihnen ein halluzinatorisches Aussehen zu verleihen. Neben DALL-E bzw. Bing Image Creator habe ich mit DeepDream gute Erfahrungen gemacht. Einfach zu bedienen guten und interessante Ergebnisse mit ausreichender Bildqualität.

Figur im Stil von Giacometti

Meine Ansatz: Die Skizze per KI erzeugen und darauf basierend weiterverarbeiten

Mein Idee war in erster Linie mit KI-Bildgeneratoren zu experimentieren, um eigene Erfahrungswerte zu sammeln, und zudem eine Bewertung der Entwicklung aus einer kreativen Perspektive. Mir ging und geht es nicht darum, KI für meine kreative Arbeit gezielt zu nutzen, sondern darum, die Potentiale aber auch die Grenzen zu ermitteln. Im aktuellen Experiment wollte ich ein perspektivische Vorlage bzw. Skizze erzeugen für die anschließende grafische Weiterverarbeitung im Gestaltungsprozess. Dabei hatte ich eine klare Vorstellung vom Ergebnis. Der Prompt sollte eine surreale und gleichzeitig minimalistisch Botschaft enthalten, die ich in einer meiner alten Zeichnungen sah (Abb. links) – eine Zeichnung, die ohne Vorlage aus dem Spontanen heraus entstanden war.

So entstand mein Prompt: Eine Figur mit langen dünnen Armen und Beinen und einem langgezogenen Kopf läuft eine Straße entlang. Die Person ist weder männlich noch weiblich und entfernt sich vom Bildbetrachter.

Im Zuge meiner Experimente wollte ich auch verstehen, wie KI-Bildgeneratoren funktionieren und an welcher Stelle ich Einschränkungen erfahre.

Wie funktionieren KI-Bildgeneratoren

Ein KI-Bildgenerator verwendet in der Regel ein tiefes neuronales Netzwerk, um Bilder zu generieren. Hier ist eine grundlegende Erklärung, wie ein solcher Generator typischerweise funktioniert:

Architektur des neuronalen Netzwerks: Der Bildgenerator basiert oft auf einer bestimmten Architektur wie einem Generative Adversarial Network (GAN), einem Variational Autoencoder (VAE) oder ähnlichen Modellen. Diese Modelle haben verschiedene Schichten von Neuronen, die in bestimmten Mustern miteinander verbunden sind.

Lernprozess: Das neuronale Netzwerk wird mit einer großen Menge von Trainingsdaten gefüttert, typischerweise mit einer Vielzahl von Bildern. Diese Bilder können zufällige Muster enthalten oder spezifische Kategorien von Bildern repräsentieren, je nachdem, wofür der Generator entwickelt wurde.

Generierung neuer Bilder: Nachdem das neuronale Netzwerk trainiert wurde, kann es verwendet werden, um neue Bilder zu generieren. Dies geschieht typischerweise, indem zufällige Vektoren als Eingabe in das Netzwerk eingegeben werden, und das Netzwerk erzeugt dann ein Bild, das auf diesen Eingaben basiert.

Feinabstimmung und Optimierung: Der Prozess der Bildgenerierung kann durch verschiedene Techniken optimiert und verfeinert werden. Dazu gehören beispielsweise die Anpassung der Netzwerkparameter, das Hinzufügen von Regularisierungstechniken zur Vermeidung von Überanpassung und das Feintuning spezifischer Schichten des Netzwerks.

Ausgabe: Das Ergebnis des Generierungsprozesses ist ein Bild, das entweder als statisches Bild oder als Teil einer Sequenz von Bildern ausgegeben werden kann, je nach den Anforderungen der Anwendung.

Vereinfacht gesagt: Es werden Millionen oder Milliarden von Bild-Text-Paaren verwendet, um ein neuronales Netz (im Grunde ein sehr ausgefallener Computeralgorithmus, der dem menschlichen Gehirn nachempfunden ist) darauf zu trainieren, was Dinge sind. Durch die Verarbeitung nahezu unzähliger Bilder lernt es, was Hunde, die Farbe Rot, Stile und alles andere sind.

Der nächste Schritt ist das eigentliche Rendern des von der KI erzeugten Bildes. Die neueste Generation von KI-Bildgeneratoren verwendet dazu einen Prozess namens Diffusion. Im Wesentlichen beginnen sie mit einem zufälligen Rauschfeld und verarbeiten es dann in einer Reihe von Schritten so, dass es ihrer Interpretation der Eingabeaufforderung entspricht. Es ist, als würde man in einen wolkenverhangenen Himmel schauen, eine Wolke finden, die wie ein Hund aussieht, und dann mit den Fingern schnippen, um sie immer hundeähnlicher zu machen.

Gestalterisches Experimentieren mit Künstlicher Intelligenz

Ich habe meinen Prompt an DALL-E 2, Adobe Firefly, DreamStudio (Stable Diffusion) sowie Bing Image Creator (DALL-E 3) und Deep Dream Generator übergeben. Die Ergebnisse lagen teilweise sehr eng beieinander (siehe Abb. unten), wobei ich im Falle von DreamStudio über einen Aspekt gestolpert bin, der eine der Grenzen von KI-Bildgeneratoren unterstreicht. Image was flagged as inappropriate hieß es plötzlich. Die KI hatte entschieden, dass drei der erzeugten Bilder unangemessen sind. Ich bezweifle zwar, dass die drei weichgezeichneten Versionen sich groß von der akzeptierten Version unterscheiden, aber eine Sache wird deutlich: KI-Bildgeneratoren schränken teilweise ein, wenn es um kontroverse oder kritische Gestaltung geht. Der Algorithmus prüft jeden Prompt mit Blick auf die Content Policy und entscheidet, ob ein Bild generiert werden darf oder nicht. Ob man das jetzt als eine Form von Zensur bezeichnen kann, sei jedem selbst überlassen. Wenn ein Mensch Stift und Papier oder andere Werzeuge anwendet, um etwas zu visualisieren, gibt es nur die eigenen Vorstellungskraft als Grenze. Kreative Freiheit, Provokation oder andere Aspekte – der Mensch kann mit entsprechenden Werkzeugen, seinem Können und seiner Vorstellungskraft jede Art von Kreation realisieren – sei sie noch so kontrovers oder verstörend. Die KI-Plattformen schränken dies ein, unterscheiden sich aber auch in dem, was sie zulassen. DreamStudio hat den Prompt A gloomy portrait of Vladimir Putin with falling bombs in the background zugelassen, DALL-E nicht.

Meine Herangehensweise bei der grafischen Umsetzung

Ich wende gerne einen Ansatz an, der das Digitale und das Analoge kombiniert, wobei ich mit verschiedenen Zwischenstadien experimentiere – ab und an erzeugt der Zufall unerwartet eine spannende Version einer Grafik, die ich dann im Prozess weiterverarbeite.

Prompt: Im ersten Schritt habe ich die KI-Bildgeneratoren mit meinem Prompt gefüttert und verschiedene Versionen erzeugen lassen. Die Ergebnisse der einzelnen Plattformen ähnelten sich tatsächlich. Natürlich wirken sie an einigen Stellen verstörend, aber mir ging es vorwiegend um die Körperhaltung ansich; der Stil hatte keinerlei Relevanz.

KI Bildgenerator
KI Bildgenerator
KI-Bildgenerator
Version 3
KI Bild dürre Person
Version2
Version 3
723956_A figure with long, thin arms and legs and an elon_xl-1024-v1-0
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Shadow

Pixel-Bild: Dann habe ich einen Schritt angewendet, bei dem ich die Einstellungen der Auflösung eines Bildes missbrauche. Konkret heißt das, dass ich ein Bild in einem Grafikprogramm lade, dann ändere ich die aktuelle Auflösung von 72 dpi auf 10 dpi. Das bedeutet, dass pro Inch 10 Dots / Pixel erzeugt werden, keine 72. Ich verpixel das Bild bewusst. Dann zoome ich am Bildschirm heran und mache einen Screenshot von dieser Darstellung. Das Ergebnis sieht dann wie folgt aus.

Vektorisierung: Der nächste Schritt ist ein Grafikprozess aus Adobe Illustrator. Ich lade den Screenshot als Bild in Adobe Illustrator, einem vektorbasierenden Grafikprogramm, und vektorisiere das Bild. Illustrator erfasst alle Flächen mit dem Werkzeug Bildnachzeichner und erzeugt Vektoren aus den Pixeln. Über die Pfadeinstellungen kann ich das Ergebnis beeinflussen.

Analoges Verarbeiten: Der Vorteil der Vektorisierung ist, dass aus der eher geringen Auflösung des KI-Bildes eine beliebig skalierbare Vektorgrafik wird. Diese drucke ich anschließend Schwarz-Weiss aus und nutze die Kopierfunktion meines Druckers. Ich kopiere den Ausdruck auf ein gutes Zeichenpapier, wobei der Kopiervorgang eigentlich wie ein Druck mit reduzierter Qualität ist. Über diesen Weg erhalte ich eine Körnung und eine Struktur, bei dem das Analoge des Papiers hervorgehoben wird. Diese Version scanne ich dann ein und bereinige sie minimal.

Das Ergebnis aus dem gestalterischen Prozess

Experimentieren: Der fertige Scan wird dann in Adobe Photoshop geladen und freigestellt (Hintergrund entfernen), damit ich nur die Figur als Element nutzen kann, die Struktur des Papiers aber in der Figur enthalten bleibt. Die Weiterverarbeitung erfolgte dann in der App Procreate auf dem iPad Pro. Hier habe ich mit digitalem Pinsel (Brush) und dem Übereinanderlegen von Ebenen Versionen erzeugt, die ich als Endergebnis sehe.

Für mich ist das der erste Prozess, da ich in einem zweiten Prozess die Ergebnisse als Vorlage für eine analoge Skizze und Zeichnung nutzen will. Was kann ich aus dem, was jetzt vorliegt, machen und inwieweit hat die KI mir am Schluss geholfen, etwas Neues zu erschaffen?

KI-Bildgenerator als Basis
KI-Bildgenerator als Basis
KI-Bildgenerator als Basis
V1y
V1-good
V1-blanc
V1
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Shadow
Bildgenerierung mit KI als Experiment
Versionen

Die besten KI-Bild-Generatoren

Mit dieser Überschrift werben so viele Seiten und zeigen dann in ihren Prompt-Beispielen gefühlt die gleichen Bilder. Tiere, Portraits und Landschaften. Schwächen haben alle Plattformen zur Bildgenerierung mit KI, seien es:

  • Unförmige Hände mit zu langen oder kurzen, dicken oder dünnen, fehlenden oder zusätzlichen Fingern.
  • Zu perfekte glatte Haut ohne Falten oder Unregelmäßigkeiten.
  • Unnatürliche Belichtung oder falsche Schatten.
  • Zu kontraststarke Bildstimmung und unruige Strukturen

Es gibt meines Erachtens nicht die besten KI-Bildgeneratoren. Je nach Vorstellung und Zweck muss man selber testen und die Ergebnisse für sich bewerten. Wer kein Abo abschließen will, muss Einschränkungen hinnehmen. Das oft bereitgestellte Bildformat 1:1 reicht für Social Media aus, nicht aber für Webseiten-Header oder gar für Druckerzeugnisse. Adobe Firefly bietet ohne Kosten verschiedene Formate inklusive 16:9 und eine gute bis sehr gute Auflösung. Auch DALL-E und Midjourney bieten gute Qualität und verschiedene Formate, allerdings nur im Abo.

Mein Tipp: Das Kombinieren aus erzeugten Bildern und die Bearbeitung in einem Grafikprogramm. So erhält man ein nutzbares und individuelles Ergebnis, das Mehrwert hat. Warum nicht eine Collage aus einzelnen Elementen und folglich eine auffällige Komposition.

Fazit Bildgenerierung mit KI

Künstliche Intelligenz und KI-Bildgeneratoren – die Meinungen gehen auseinander und gerade die Kreativwelt steht der Entwicklung eher skeptisch gegenüber. Wer als Grafikdesigner, Illustrator, Musiker oder Autor sein Geld verdient, der macht sich Sorgen um seine Zukunft und um seine Einnahmen. Meine Meinung ist, dass die menschliche kreative Leistung und professionelle Kreativarbeit immer ihren Stellenwert haben wird. Trotzdem muss man sich mit der Materie auseinandersetzen – frei nach dem Motto „Kenne deinen Feind“.

Eine Sache empfinde ich als extrem störend: Bei fast allen Anbietern zur Bildgenerierung mit KI kommt man ohne eine Registrierung nicht weit und es stehen nur eine begrenzte Menge Prompts kostenfrei zur Verfügung – dann heißt es Warten oder Credits einkaufen bzw. ein Abo abschließen. Midjourney weist nach einer Registrierung direkt darauf hin, dass wegen hoher Auslastung die Nutzung nur noch mit einem Abo möglich ist. OpenAI verlangt ebenso ein Abo für die Nutzung von DALL-E 3, bietet aber noch kostenlosen Zugriff auf DALL-E 2, was meines Erachtens für Experimente ausreicht. DALL-E 3 kann man über Bing Image Designer nutzen.

Meine Empfehlung: Ausprobieren und je nach Anforderung genau überlegen, ob Prompten das benötigte Ergebnis liefert. Ein(e) Illustrator:in ist ein Profi, der saubere, individuelle und auf den Auftrag abgestimmte optimale Ergebnisse liefert.

KI Kunst

KI-Kunst und KI-Bildgeneratoren – Fluch oder Segen?

„Ich bin der einzige Künstler, den die Natur kopiert.“ Abgesehen von seiner Arroganz und seiner Überheblichkeit, die in diesem Zitat zum Ausdruck kommen, war der spanische Maler, Grafiker, Schriftsteller, Bildhauer und Bühnenbildner Salvador Dalí einer der Hauptvertreter des Surrealismus und zählt zu den bekanntesten Malern des 20. Jahrhunderts. Etwas über 30 Jahre nach seinem Tod benennt das KI-Unternehmen OpenAI seine KI-Plattform zur Bildgenerierung DALL-E nach ihm. Der Name ist ein Kofferwort aus dem kleinen animierten Roboter Wall-E aus dem gleichnamigen Film und dem berühmten spanischen Surrealisten. Aber was hätte Dalí dazu gesagt? Was hätte er über die vielen generierten Bilder gesagt? Das vom französischen Dichter André Breton erschaffene „Surrealistischen Manifest“ von 1924 plädierte für eine ungehemmte Ausdrucksweise, die sich aus den unwillkürlichen Mechanismen des Geistes, insbesondere den Träumen, ableitet, und forderte die Künstler auf, die unerforschten Tiefen der Vorstellungskraft mit radikalen neuen Methoden und visuellen Formen zu erkunden. Diese reichten von abstrakten „automatischen“ Zeichnungen über hyperrealistische, von Träumen und Alpträumen inspirierte gemalte Szenen bis hin zu unheimlichen Kombinationen von Materialien und Objekten. Ob es der Name Dalí, seine Person, das Manifest oder die Kombination aus allem war – OpenAI unterstreicht durch den Namen DALL-E die Möglichkeiten, die Ergebnisse und indirekt auch die Relevanz der KI-Plattform. Doch ist das nicht auch etwas überheblich? Manch ein per KI-Bildgeneratoren generiertes Bild wirkt surreal, manch eines verstörend, viele wiederum beliebig. Mit Surrealismus hat das meines Erachtens wenig zu tun. Wie viele der generierten Bilder sind Datenmüll und verbrauchen nur unnötig Energie, welche Auswirkungen hat die Entwicklung von KI auf die Kunst und andere Kreativbereiche? Kann KI Kunst? Ich werfe einen ersten persönlichen Rückblick auf die Entwicklung.

Midjourney, DALL-E, Bing Image-Creator, Nightcafé – um an dieser Stelle einige der bekannten KI-Bildgeneratoren zu nennen. Die Liste wächst stetig und auch Adobe hat mit Adobe Firefly eine Plattform ins Leben gerufen, die mit dem richtigen Prompt erstaunlich gute Ergebnisse liefert. Perspektiven, Farben, Kontraste und Stile können per Klick geändert werden und erzeugen in Sekunden eine passende Bildkomposition. Die nachträgliche Bearbeitung in Photoshop ermöglicht das Modifizieren und Erweitern der Ergebnisse ebenso per Prompt direkt in der Anwendung. Objekte sind in Sekunden freigestellt und mit einem gewünschten Hintergrund versehen. Ein Kampagnenmotiv, ein Mailingheader, ein Social Media-Beitragsbild oder andere visuelle Elemente sind so in kürzester Zeit erzeugt. Über die Qualität der Ergebnisse lässt sich streiten, hier gehen die Meinungen auseinander, und welche KI Plattform für welchen Fall bessere Ergebnisse liefert, hängt meines Erachtens von den jeweiligen Anforderungen und dem Einsatz (Digital / Druck) ab. Farben, Kontraste, Details, Stil oder Maße bzw. Auflösung. In einem weiteren Beitrag werde ich mit den Plattformen experimentieren und auf die Ergebnisse eingehen.

Ein oft angesprochener Aspekt sind die Leidtragenden Grafikdesigner, Illustratoren oder Fotografen – alle schreien auf, weil Plattformen wie Midjouney Millionen von urhebergeschützen Bildern als Datenbasis nutzen.

Das Urheberrecht an Bildern steht grundsätzlich demjenigen zu, der sie erstellt hat – im Rahmen der KI, kommen hier mehrere Berechtigte in Frage, die KI selbst, der Betreiber (Entwickler) des KI-Bildgenerators oder der Nutzer, der den Input und die Vorgaben macht, so dass die KI nur Werkzeug des Nutzers oder auch Betreibers ist. Fest steht – die KI kann selbst und isoliert betrachtet keine urheberrechtlich geschützten Werken hervorbringen. Das Urheberrecht sieht als Voraussetzung für den Schutz vor, dass das Werk eine persönliche geistige Schöpfung ist, also von einer natürlichen Person geschaffen wurde. Die Rolle der Personen, deren Bilder ggf. als Basis dienten, ist ein ungeklärter Aspekt. Die Bild-KI Stable Diffusion wurde an unzähligen Fotos trainiert. Der Stock-Anbieter Getty Images sieht darin eine Urheberrechtsverletzung und zieht vor Gericht. Adobe wiederum sagt: Das erste Firefly-Modell wird anhand von mehreren Hundert Millionen hochauflösenden Bildern aus Adobe Stock, offen lizenzierten Inhalten und gemeinfreien Inhalten trainiert, die nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind. Das heißt: Mit Firefly generierte Inhalte dürfen für gewerbliche Zwecke genutzt werden.

Komponieren, malen, schreiben – Kann KI Kunst?

Illustrationen, Fotos, Grafiken oder Szenerien generieren – das kann per Prompt auch der Laie und Nicht-Grafiker ohne Grafikprogramme. Aber wie sieht es mit der Kunst aus? Kann KI Kunst? In Frankreich komponierte ein neuronales Netz, dem Forscher*innen 45 Beatles-Songs als Datengrundlage gegeben hatten, eigenständig Daddy’s Car, einen Song ganz im Stile der Bandkomponisten John Lennon und Paul McCartney. Im Oktober 2018 erzielte Edmund de Belamy, ein von einer KI generiertes Gemälde, bei einer Auktion des New Yorker Auktionshauses Christie’s den Rekordpreis von 432.500 US-Dollar. In Tübingen entwickelte ein Team um den Neurowissenschaftler Matthias Bethge eine KI-Software, die die Werke großer Maler analysiert und reproduziert. Die Frage, die ich mir stelle: Ist die menschliche Kreativität im Bereich Gestaltung, Kreation und Komposition bald überflüssig? Was macht Kunst so besonders, dass die KI hier an ihre Grenzen kommt.

Der Maler Jackson Pollok mit seinem Spitznamen „Jack the Dripper“

Jackson Pollock. Vor einem seiner Bilder stehend betrachte ich die Farbe, wie sie mit ihrer Struktur sich von der Leinwand abhebt. Jedes seiner Bilder strahlt für mich Energie, Emotion und gleichzeitig eine besondere Art der Komposition aus. Ich stehe davor und stelle mir den berühmten abstraken Expressionisten vor, wie er sich tänzelnd über seine auf dem Boden liegende Leinwand bewegt. Natürlich spielt die Geschichte zu seiner Person eine zentrale Rolle, wenn es um die Begeisterung für den Maler Jackson Pollock geht – aber im Kern geht es um seine Werke, die heute für Millionenbeträge den Besitzer wechseln und die die abstrakte Malerei maßgeblich beeinflusst haben.

Meine erste Jackson Pollock Ausstellung war für mich fast wie für andere das erste Konzert ihrer Lieblingsband. Glücksgefühle, Aufregung, Begeisterung – Emotionen über alle Sinnesorgane. Die Begeisterung für sein Werk als Maler und gleichzeitig für seine emotionsgeladene Geschichte nimmt mich so sehr mit, dass ich jedes Mal ein Kribbeln im Bauch spüre, wenn ich vor einem seiner Bilder stehe. Es ist eine Begeisterung, die ich garantiert mit vielen Menschen teile und ja – hätte ich die nötigen finanziellen Mittel und den Platz an den Wänden, würde ich eines seiner Bilder versuchen käuflich zu erwerben. Ich könnte die besondere Magie seiner Malerei jeden Tag sehen, wahrnehmen und sogar ertasten, da kein pflichtbewusster Museumwärter mich davon abhalten kann.

Jackson Pollock Signatur
Signatur Jackson Pollock

Drip-Painting: Action Painting als Stilrichtung

1947 kam Jackson Pollock zu einer neuen Technik, die ihm internationalen Ruhm einbrachte. Seine Methode bestand darin, verdünnte Emaillefarbe auf eine ungespannte Leinwand zu schleudern und zu tropfen, die auf dem Boden seines Ateliers lag. Diese direkte, körperliche Auseinandersetzung mit seinen Materialien ließ Schwerkraft, Geschwindigkeit und Improvisation in den künstlerischen Prozess einfließen und erlaubte es der Linie und der Farbe, für sich allein zu stehen und völlig unabhängig von der Form zu funktionieren. So wurde Pollock bekannt mit der von ihm begründeten Stilrichtung des Action Painting. Seine im Drip-Painting-Verfahren angefertigten großformatigen Werke brachten ihm bereits zu Lebzeiten den Spitznamen „Jack the Dripper“ ein.

Corey D’Augustine stellt die Technik vor

Jackson Pollock litt an schwerem Alkoholismus und wachsenden Depressionen, sodass er professionelle Hilfe in Anspruch nehmen musste. Bereits kurz nach seiner Entlassung aus einer Klinik erlitt er einen weiteren Zusammenbruch und er begann eine Behandlung bei Dr. Joseph Henderson, der Zeichnungen und andere Bilder in seiner Therapie verwendete. Dadurch lernte Pollock, seine Kunst zu nutzen, um sein innerstes Selbst auszudrücken, als Mittel zur Behandlung seiner schweren Depression. Pollocks Bilder wurden nun zutiefst persönlich, denn er betrachtete ihre Ausführung als „Selbstfindung. Jeder Künstler malt, was er ist. Der moderne Künstler arbeitet mit Raum und Zeit und drückt seine Gefühle aus, anstatt zu illustrieren“.

Liebe, Hass, Zorn, Freude, Trauer, Enttäuschung, Angst – Emotionen als Impulsgeber

Und das ist es, was Kunst aus meiner Sicht (unter anderem) ausmacht. Es sind die Emotionen – die Emotionen der Person, die das Werk erschafft und die Emotionen der Person, die das Werk wahrnimmt. Es sind Erfahrungen, Erlebnisse, Gefühle, die in Worten, Melodien, Farben, Formen oder Bewegungen ihren Ausdruck finden.

Dazu muss man erwähnen, dass es keine klare Definition für den Begriff Emotion gibt. So heißt es in einem Beitrag: Manche Forscher definieren Emotionen als körperliche Reaktionen, die sich im stammesgeschichtlichen Kampf ums Überleben entwickelt haben, andere als mentale Zustände, die einsetzen, wenn das Gehirn körperliche Reaktionen (oder neuronale Zustände) repräsentiert. Für manche sind unbewußte Impulse entscheidend, für andere dagegen bewußte Bewertungen und Klassifikationen. Manche halten körperliche Reaktionen für irrelevant und meinen, Emotionen spielen sich ausschließlich im Gehirn ab, andere sehen sie als Formen des Handelns oder Redens oder sogar als soziale Konstrukte, die sich nicht in Individuen ereignen, sondern gleichsam zwischen ihnen.

Natürlich kann man in Frage stellen, ob bei der Gestaltung eines Kampagnenmotives Emotionen in die Arbeit einfließen – wenn, dann ist es erfahrungsgemäß eher Frust und Wut, die eine Rolle spielen. Doch die kreative Leistung einer Person wird beeinflusst durch sein Können und je nach Situation auch durch seinen emotionalen Zustand.

Kreativität ist eine Eigenschaft, die dem Menschen zuzuordnen ist – noch. Die Psychologie des kreativen Prozesses, so heißt es besteht in einer dynamischen „Neuformierung von Informationen“. Psychologisch hängt dieser Prozess von folgenden Grundbedingungen ab: Begabung, Wissen, Motivation, Persönlichkeit. Persönlichkeitseigenschaften spielen hier eine zentrale Rolle: Offenheit für neue Erfahrungen, lebhafte Phantasietätigkeit, künstlerische Sensibilität, Gefühlstiefe, Flexibilität, Nonkonformismus und Ambiguitätstoleranz. Kreativität ist keine Fähigkeit, die es zu erlernen und dann anzuwenden gilt. Kreativität ergibt sich viel mehr aus den Einstellungen, Emotionen und Erwartungen, die eine Person in dem Moment hat, in der sie vor einer kreativen Herausforderung steht.“, erklärt Erstautorin und Kreativitätsexpertin Jennifer Haase. All das sind Eigenschaften und Faktoren, die wir einer Maschine oder einem technischen System wie künstlicher Intelligenz nicht zuordnen – noch nicht.

Kann KI kreativ sein?

Anfang des Jahres ging ein Rumoren durch die Musikwelt als ein Fan dem Musiker Nick Cave einen Songtext schickte, den eine künstliche Intelligenz in seinem Stil generiert hatte. Nick Cave fand die Imitation ziemlich scheiße und schreibt darüber in seinem Blog. Abgesehen von seiner sichtbaren Ablehnung dieser Technologie bringt er es auf den Punkt: Die Kunst, einen guten Song zu schreiben, liegt dem Musiker zu folge nicht in Nachahmung oder Replikation. Das Gegenteil sei der Fall. „Es ist ein Akt des Selbstmordes, der alles zerstört, was man in der Vergangenheit zu produzieren versucht hat. Es sind diese gefährlichen, herzzerreißenden Abweichungen, die den Künstler über die Grenzen dessen hinauskatapultieren, was er oder sie als sein bekanntes Selbst anerkennt.“ Songschreiben verlangt Menschlichkeit, so seine Auffassung.

In seinem Beitrag schreibt er auch: „Es ist absolut vorstellbar, dass KI ein Lied erzeugen kann, das zum Beispiel die Qualität von Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ hat. Ein Lied, das alle Kriterien erfüllt, die nötig sind, damit wir empfinden, was wir empfinden sollten, wenn wir ein Lied wie dieses hören. In diesem Fall könnte das zum Beispiel sein, sich aufzuregen und sich rebellisch zu fühlen. Es ist sogar plausibel, dass KI ein Lied erzeugt, das uns diese Gefühle intensiver empfinden lässt, als es jeder menschliche Songwriter tun könnte.

Aber ich glaube eben nicht, dass wir, wenn wir „Smells Like Teen Spirit“ hören, nur das Lied hören. Mir scheint, dass wir eigentlich die Reise eines verschlossenen, einsamen jungen Mannes hören, die in der amerikanischen Kleinstadt Aberdeen beginnt. Ein junger Mann, der nur so strotzte vor Abnormität und menschlicher Begrenztheit. Und der die Kühnheit besaß, seinen Schmerz in ein Mikrofon zu heulen und damit auf verschlungenen Pfaden die Herzen einer ganzen Generation erreichte.

Meine Meinung ist: Es besteht kein Bedarf, dass eine KI einen Nick Cave Song erzeugt. Nick Cave ist Musiker, Songwriter und Autor: Er will und kann es selber tun. Und sein Anspruch, seine Intuition und seine Bedarf etwas Neues zu erschaffen sind so hoch, dass KI keine Option darstellt. Er tut das, was er tut, um sich auszudrücken und seine Fans erwarten von ihm ein entsprechendes Ergebnis.

Wer gute Musik zu schätzen weiß, der wird Nick Cave mit Sicherheit Recht geben. Und wenn Nick Cave sein nächstes Album oder sein nächstes Buch von einer KI generieren lässt, verliert er mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nur viele seiner weltweiten Fans, sondern auch sein Ansehen als Musiker und Künstler. Und trotzdem wird KI auch für Nick Cave eine Rolle spielen oder tut es bereits. Diejenigen, die seine Musik produzieren, verwenden Software, die durch KI die Prozesse und Workflows unterstützt.

Generative KI: Das Erzeugen von Bildern, Texten, Musik oder Videos

An dieser Stelle sollte man einmal erklären, von was wir hier eigentlich sprechen. Im Kern geht es um das Generieren von Inhalten mit Hilfe einer KI. Generative KI (englisch: Generative AI) kann von vorhandenen Artefakten lernen, um neue, realistische Artefakte zu generieren, die die Merkmale der Trainingsdaten widerspiegeln, diese jedoch nicht wiederholen. Sie kann eine Vielzahl von neuartigen Inhalten produzieren, wie Bilder, Videos, Musik, Sprache, Text, Softwarecode und Produktdesigns.

Während im Zentrum der aktuellen Debatte KI-Systeme stehen, welche Texte generieren können (z. B. OpenAIs ChatGPT oder Googles Bard), gibt es auch solche, die beispielsweise Bilder (z. B. Midjourney), Videos oder Ton erzeugen.­­ Als Input dient ein sogenannter Prompt – eine Art geschriebener Arbeitsauftrag für das Modell. Dieser Prompt wird dann im Fall von Text-to-Text-Modellen vervollständigt. Die Qualität des Prompts hat deswegen auch großen Einfluss auf die Qualität des Outputs. Die folgenden Bilder habe ich in unter einer Minute mit Adobe Firefly per Prompt erzeugt. Man muss an dieser Stelle unterstreichen, dass somit jede Person ohne besondere Kenntnisse und Fähigkeiten Bilder erzeugen kann. Ein inspirierendes Erlebniss ist es auf jeden Fall.

Künstliche Intelligenz und die fehlende menschliche Eigenschaft

Künstliche Intelligenz ist seit der Veröffentlichung von ChatGBT, Discord und anderen Plattformen für jeden zugänglich – sofern man Internet hat und ein passendes Endgerät. In Sekunden generiert die KI Bilder, Texte oder sogar ganze Musikstücke – kreative Inhalte mit teilweise erschreckend guten Ergebnissen. Da stellt sich unweigerlich die Frage: Sind Künstler und Kreativschaffende damit obsolet? Gehen wir bald in Galerien oder Museen und schauen uns Werke an, die von KI erschaffen wurde? Schreibt eine KI das Drehbuch für den nächsten Blockbuster oder die Songs des nächsten Coldplay Albums? Oder anders gefragt: Würden wir ein neues Amy Winehouse oder Nirvana Album kaufen, das mit Hilfe von KI geschrieben oder erschaffen wurde? Hier gehen die Meinungen mit Sicherheit auseinander. Vielleicht hören sich Fans das Album aus reiner Neugierde an oder weil es im Musik-Abo eh jederzeit abrufbar ist. Doch was ist mit den Personen, die hinter diesen Namen stehen. Curt Cobain und Amy Winehouse haben Selbstmord begangen. Nur ihre Musik und die Geschichten zu ihren Personen leben weiter. Und damit sind wir wieder bei der Aussage von Nick Cave: Ihre Songs berühren uns. Wir wollen das Emotionale hören, das Alben wie Back to Black oder In Utero in sich tragen. Wir wollen das Leid, den Schmerz, die Wut, die Trauer oder auch die Freude hören und fühlen. Das würde in einem von einer KI erzeugten Song unweigerlich fehlen, denn KI kennt weder Schmerz noch Trauer. Sie kann nur das Musikalische in Form von Melodie, Text und Stimme erzeugen, basierend auf Daten, mit denen sie gefüttert wird. Manch einer Person reicht das aus und andere lehnen ein solches Ergebnis kategorisch ab.

Der Zukunftsforscher Bernd Flessner bewertet KI-Kunst vor allem mit Blick auf das Publikum. „Wenn ein Kunstwerk für die Rezipienten, die ein Bild anschauen, ein Musikstück anhören oder ein Buch lesen, etwas aussagt, dann ist es Kunst, völlig unabhängig davon, wie sie entstanden ist“, meint der Erlanger Wissenschaftler. Ein Algorithmus könne demnach genauso schöpferisch tätig werden wie ein Mensch. Dieser Aussage widerspreche ich, denn zum einen beantworten Künstler:innen, Kunstwissenschaftler:innen und andere Fachleute die Frage „Was ist Kunst“ sehr unterschiedlich und zum anderen ist Kunst aus meiner Sicht eine emotionale Ausdrucksform, die dem Menschen zuzuordnen ist.

Kann ChatGBT etwas mit dem Begriff Emotion anfangen? Fragen wir doch einfach ChatGBT selbst: „Was sind Emotionen?“ Die Antwort:

Wir fragen weiter: „Hat Künstliche Intelligenz Emotionen?“

KI kann Emotionen erkennen und einordnen – Anhand von Mimik, Gestik und Hirnströmen können hochauflösende Kameras und Sensoren schon heute Gefühle ablesen. Doch kann KI eigene Emotionen entwickeln?

Stand heute im Jahr 2024 kann Künstliche Intelligenz keine Emotionen entwickeln. Sie kann lediglich menschliche Emotionen erkennen, analysieren und bewerten (Affective Computing). Damit fehlt ihr aus meiner Sicht das Elementare, was insbesondere Kunst als kreative Leistung ausmacht. Wollen wir diese Eigenschaft nicht als das ansehen, was uns als Menschen von Maschinen und Systemen unterscheidet? Damit wir etwas haben, was uns ausmacht und was uns zu kreativer Leistung verhilft. Damit wir Dinge erschaffen, die einen emotionalen und gesellschaftlichen Wert für jetzige und zukünftige Generationen haben.

Ein erstes persönliches Fazit

Über KI, ihre Vorteile, ihren Nutzen und auch über ihre Risiken wird viel diskutiert. Ob KI-Bilder, -Songs und -Texte eine Daseinsberechtigung haben – aus meiner Sicht ja. Die Vorteile der neuen Technologie überwiegen auf gestalterischer und konzeptioneller Ebene. Ich teste aktiv mit KI-Bildgeneratoren, was möglich ist und wo ich für mich Nutzen und Vorteile sehe. Für den Bereich Grafikdesign habe ich mehrfach schon mit KI-generierten Bildern gearbeitet und diese für Designs bewusst eingesetzt. Aktuell haben sich für mich u.a. volgende Vorteile und Nutzen ergeben:

  • Weniger Zeitaufwand für Bildrecherchen
  • Schnelle Entwürfe für erste Entscheidungen
  • Perspektiven und Körperhaltungen erzeugen
  • Modifizieren und Anpassen von Hintergründen, Farben und Strukturen
  • Erweitern von Bildbereichen
  • Erzeugen von Versionen

Kann KI Kunst? Ich sehe bildende Kunst, anspruchsvolle Gestaltung oder Musik als Bereiche, die dem Menschen mit seinen Fähigkeiten zuzuordnen sind. Für mich ist Kunst im erschaffenden Kontext das, was uns Menschen ausmacht. Wir erschaffen Sie und hinterlassen Sie für nachfolgende Generationen. Und dafür sollten wir uns als Gesellschaft einsetzen. Man sollte sich über einen Aspekt immer im Klaren sein: Künstliche Intelligenz könnte ohne die von Menschen erschaffenen Werke nichts selber erschaffen; keine Lieder, keine Texte und keine Bilder. Aber: Künstliche Intelligenz beeinflusst schon jetzt Kunstschaffende weltweit und es gibt viele herausragende Beispiele, wie unter Einsatz von KI und Machine Learning Neues erschaffen wird. So bin ich beispielsweise auf den Medienkünstler Refik Anadol gestoßen. Seine Arbeiten bestehen häufig aus datengesteuerten maschinellen Lernalgorithmen, die aus Datenströmen abstrakte, immersive, traumähnliche Umgebungen schaffen. Als Medienkünstler ist er fasziniert von den Möglichkeiten, die das digitale Zeitalter und die maschinelle Intelligenz für eine neue Form der Ästhetik bietet.

Doch es entstehen gerade zu viele sinnlose und meist ungenutzte KI-Inhalte, die als Datenmüll in den digitalen Weiten umherschwirren und irgendwann verschwinden. Gerade KI-Bildgeneratoren sind eine maximale Verschwendung von Energieressourcen. Im Falle von Google verbraucht die künstliche Intelligenz 10 bis 15 Prozent des gesamten Stromverbrauchs des Unternehmens. Das entspreche für 2021 einem Verbrauch von circa 2,3 Terawattstunden, dem jährlichen Stromverbrauch aller Haushalte einer Stadt von der Größe Atlantas. Ein KI-Bild verbraucht die Energie einer Handyladung und seit letztem Jahr wurden mehr als 15 Milliarden Bilder mit Hilfe von Text-zu-Bild-Algorithmen erstellt. Seit dem Start von DALLE-2 erstellen Menschen durchschnittlich 34 Millionen Bilder pro Tag. Alleine diese Zahlen sollten zum Nachdenken anregen. Man muss nicht immer gleich die KI anwerfen, um etwas zu visualisieren. Papier und Stift in Kombination mit unserer Phantasie und unseren Emotionen erschaffen oft unerwartet spannende und inspirierende Ergebnisse.

In diesem Sinne plane ich meinen nächsten Kunstmuseumsbesuch, um mir das eine oder andere großformatige Original auf Leinwand anzusehen, begleitet durch die emotionale Musik von Nick Cave.

Stencil Art Black Light effect

Graffiti Stencil Art

Graffiti Stencil on fine art paper

The fingers hurt, it’s cold and I haven’t even cut out a fifth of all black areas. The paper is a heavy acrylic paper and accordingly hard, so that the cutter blades from Martor wear out quickly. Without impulsive electronic beats on my ears I would not be able to stand it for long. But somehow the dark cold hall of the Schaumburg Bonn is the ideal place for this kind of artwork and underlines the process, which in the meantime seems like a fight to me. I switched off completely and forgot everthing around me. As I was not constantly working on the stencil, days, weeks, months passed by.

Only half a year later it was finished and the huge graffiti stencil was ready for the application of paint. I cannot say how long it took me in the end to cut out all black layers. Then graffiti and acrylic paint were used and the moment of truth followed. When you lift the stencil off, you can see if the visual idea corresponds to what you see on the paper. 3D and black light effect in one artwork.

Graffiti Stencil Art Shadowplay

Art with fishnet tights

The idea: I had paper in the size 105 x 155 centimetres and wanted to make a large complex stecil. The basis for this: Fishnet tights, with which I had been experimenting graphically for some time and, fascinated by the structures, created vectorised surfaces. Vectorizing in this case means that I scan the fishnet tights stretched and then convert it into vectors. The distortion creates surfaces which in the end form the basis for the stencil.

Graffiti Stencil Kunst

Graffiti Stencil Kunst

Graffiti Stencils auf Papier

In den letzten Monaten habe ich viel Zeit damit verbracht komplexe Schablonen bzw. Stencils zu anzufertigen, die als Basis dienten, um abstrakte Strukturen und Objekte auf Papier oder Leinwand zu übertragen. Für den Laien: Ich habe mit einem Grafikmesser Flächen ausgeschnitten, die ich durch die Kombination aus Objekten und Strukturen erzeugt habe.

Stencil als Schablonentechnik und Bestandteil der Street Art

Stencil (englisch für Schablone) als Technik ist aus der Graffiti-Szene bekannt, u.a. auch durch den Street Art Künstler Banksy. Allerdings wurde die Technik nicht von der Graffiti-Szene erfunden, sondern schon in den 20er und 30er Jahren eigensetzt, um Farben aufzutragen. Reguläre Druckverfahren lieferten oft schlechte Ergebnisse, wenn flächige Schriften erzeugt werden sollten. Die Punkszene hat die Technik dann für sich entdeckt und aktiv angewendet, da man schnell und einfach seine Botschaft auf Wände oder andere Flächen auftragen konnte.

Beim Stencil werden die offenen Flächen, die Farbe durchlassen, „Islands“ genannt, die anderen Flächen „Bridges“. Für den Farbauftrag kann man Sprühfarben nutzen aber auch Farbrollen oder andere Methoden für den Farbauftrag.

Stencil Kunst: Inspiriert durch Silhouetten, Netzstrumpfhosen und Straßenmarkierungen

Irgendwann haben ich angefangen mit Netzstrumpfhosen zu experimentiert und deren Strukturen auf Holz übertragen. Das Spannen der Netzstrumpfhosen hat aber im ersten Schritt kein gutes Ergebniss geliefert, sodass ein Zwischenschritt hinzukam. Das Scannen einer gespannten Netzstrumpfhose und das anschließende Vektorisieren gab mir die Möglichkeit, die Flächen zu optimieren und sichtbarer zu machen.

Diese Flächen wurden dann mit Silhouetten kombiniert, sodass neue Objekte enstanden. Dann folgte der Schritt des Ausschneidens für die Schablone: Unzählige Arbeitsstunden und viele Grafikmesserklingen waren nötig, um die Stencil Kunst zu erschaffen, die ich als Serie Ghosts and Shadows bezeichne.

Scherenschnitt-Kunst

Durch die Vektorisierung werden die Schatten und Flächen reduziert und somit gestört. Von der Person ist nichts mehr zu erkennen. Dann wird die Netzstruktur hinzugefügt und die Basis angepasst. Schließlich erfolgt das Ausschneiden mit dem Grafikmesser.

XXL Graffiti Stencil

Die Finger tun weh, es ist kalt und ich habe noch nicht einmal ein Fünftel aller schwarzen Flächen ausgeschnitten. Das Papier ist ein schweres Acrylpapier und entsprechend hart, so dass die Cutterklingen schnell verschleißen. Ohne impulsive elektronische Beats auf den Ohren würde ich es nicht lange aushalten. Aber irgendwie ist die dunkle kalte Halle der Schaumburg Bonn der ideale Ort für diese Art von Kunstwerken und unterstreicht den Prozess, der mir inzwischen wie ein Kampf vorkommt. Ich schaltete völlig ab und vergaß alles um mich herum. Da ich nicht ständig an der Schablone gearbeitet habe, vergingen Tage, Wochen, Monate.

Erst ein halbes Jahr später war sie fertig und die riesige Graffiti-Schablone war bereit für den Farbauftrag. Ich kann nicht sagen, wie lange ich am Ende gebraucht habe, um alle schwarzen Schichten auszuschneiden. Dann kamen Graffiti und Acrylfarbe zum Einsatz und der Moment der Wahrheit folgte. Wenn man die Schablone abhebt, kann man sehen, ob die visuelle Idee dem entspricht, was man auf dem Papier sieht. 3D- und Schwarzlichteffekt in einem Kunstwerk.

Nicht-Orte / Obdachloser

Nicht-Orte: „Die Unterführung / Der Liegende“

Ausstellungsarbeit für die Ausstellung der Illustratorengruppe Zoom-Bonn

Jeden Morgen fahre ich seit etwa zwei Jahren an einem Obdachlosen vorbei, der sein Lager unter einer Brücke aufgeschlagen hat. Bei jedem Wetter liegt er da in gedrungener Haltung, den Blick zum Boden gerichtet und in sich versunken. Hilfe will er nicht. Wie so viele musste auch ich seine Ablehnung erfahren und hinnehmen. Er will kein Essen, keine warme Kleidung und kein Gespräch. Vielleicht will er für sich sein, in seinem Raum, seiner Einsamkeit und Ruhe.

Mittlerweile akzeptiere ich seine Haltung und seine Situation, die er sich vielleicht bewusst ausgesucht hat, erlaube mir aber ihn mit einem Lächeln zu grüßen wann immer er aufschaut, wenn ich an ihm vorbeifahre.

Seine Person in Kombination mit seinen Habseligkeiten und der düsteren Umgebung unter der Brücke wirken auf mich wie ein Abbild oder auch Aufschrei unserer Gesellschaft. Sein gezeichnetes Gesicht und der Körper des Liegenden. Ein Bild, das sich in meinen Gedanken verankert hat. Wer ist es, wer war er früher und warum hat er sich diesen Ort ausgesucht, den wir nur nutzen, weil er Teil unsere Weges ist?

Vielleicht geht es ihm um Schutz; Schutz, den wir, die wir ein Dach über dem Kopf haben und eine Tür, die wir hinter uns schließen, nicht nachempfinden können. Einen Schutz, den auch Unterführungen bieten. Orte, die wir meiden, weil sie ungemütlich sind; oft bedingt durch gammlig-wirkenden Graffitis, kaltes Licht und dem Gestank nach Urin. Orte, die wir schnell und nur gezwungener Maßen durchwandern und an denen wir nicht verweilen wollen. Auch hier stoßen wir immer wieder auf Obdachlose mit ihrem Hab und Gut.

An ihnen gehen wir vorüber, meiden ihre Blicke und beschleunigen unseren Gang. Wir schauen weg und wollen das Elend hinter uns lassen. Manch einer gibt etwas Geld oder etwas zu essen. Ganz gleich ob wir vorübergehen oder etwas geben. Eine gewisse Scham bleibt. Für uns ist die Unterführung ein Nicht-Ort; nach Marc Augé ein Ort, dem es vor allem an etwas mangelt – Identität, Relation, Geschichte. Ein Ort der Anonymität, der Einsamkeit, der Entwurzelung. Was aber ist die Unterführung für den Liegenden, der Schutz sucht?

Der Begriff Nicht-Ort bezeichnet ein Gedankengebäude des französischen Anthropologen Marc Augé. Nicht-Orte sind insbesondere mono-funktional genutzte Flächen im urbanen und suburbanen Raum wie Einkaufszentren (Shopping Malls), Autobahnen, Bahnhöfe und Flughäfen. Der Unterschied zum traditionellen, insbesondere anthropologischen Ort besteht im Fehlen von Geschichte, Relation und Identität, sowie in einer kommunikativen Verwahrlosung.

Für das Thema der Ausstellung musste ich mich mit Unterführungen auseinandersetzen. Beim Beobachten in der Bonner Innenstadt viel mir auf, wie die Menschen an den dort verweilenden Obdachlosen vorbeilaufen, sie bewusst ignorieren und sich ihrem eigenen Ich widmen. Wie Geister schweben sie an den Liegenden vorbei.

Es viel mir schwer das Wahrgenommene in eine Illustration umzuwandeln. Trotzdem ist das, was entstanden ist, das, was ich ausdrücken wollte.

Ratten von Bonn

Illustration: Die Ratten von Bonn

Ausstellung in der Schaumburg

Siggi und Pauke, die Ratten aus Bonn im Gespräch:

Scheiße man Siggi, ich hab‘ Hunger und saukalt is mir auch. Besorg was zu Fressen, man. Du bist dran. Ich vergess‘ mich sonst und kau an deinem lecker Ohr.

Entspann dich Pauke. Ich geh‘ ja gleich. Auf was hast’n Lust? Darf‘s etwas Sushi oder Roastbeef sein? Oder is dem feinen Herrn eher nach französischem Käse und ein Paar Träubchen?

Leck mich Siggi. Deine Idee Teelichter zu fressen war der Höhepunkt deiner partnerschaftlichen Leistungen, wenn es um die Futtersuche geht. Ich hab‘ Tage gebraucht, um den seifigen Geschmack von meiner Zunge zu bekommen und wir wollen nicht über das reden, was am lange Ende meines Körpers zur runden Tür rauskam.

Entspann dich Pauke! Heute finde ich was für deinen anspruchsvollen Gaumen. Wir wollen ja nicht, dass deine empfindliche Stimme leidet. Eine Band ohne Sänger ist am Ende bevor sie an den Start gegangen ist. Was is‘n eigentlich mit deiner doch so effektiven Suche nach einem Drummer? Wir haben geile Texte, deine doch so zarte Stimme, unsere runzligen Rattengriffel, um an deiner doch so edlen Gitarre und meinem doch so mächtigen Bass rumzuzupfen – nur der von dir gesuchte harte Drummer fehlt. Weißt, was ich meine, hä?

Geh du mal Futter holen Siggi, ich besorg den Drummer. Ich hab‘ da einen kennengelernt an der Brücke und der kennt einen, der’s wohl drauf haben muss. Hat wohl schon in einigen Bands gespielt. Muss ‘ne harte Nuss sein, der Typ. Genau, was wir brauchen. Wart’s ab.

Mh ja, is klar. Wenn der so hart ist, wie die olle Bumsbirne von vor zwei Wochen, fresse ich lieber Teelichter und zwar täglich; bis ich leuchte. Da hab‘ ich mehr Spaß dran.

Wart’s ab, Siggi. Morgen treffe ich ihn und höre mir an, was er auf seine verdammte Trommel donnert. Weißt, was ich meine, ne? Wie wollen wir unser Trio eigentlich nennen?

Keine Ahnung. „Die Ratten von Bonn“? Für ‘ne Punk Band aus Bonn passt das doch ganz gut.

Mh. Sehr einfallsreich, du fetteste aller Ratten von Bonn. Besser als deine Idee mit Siggis Combo. Mit deinem Gewicht und deinem Umfang bist du ‘ne Combo alleine.

Ach halt’s Maul Pauke. Ich verpiss‘ mich jetzt und hol was für deinen drahtigen Astralkörper mit Krawatte. Wollen nur hoffen, dass die Glatze mit der Sprühdose nicht da ist oder der unentspannte Typ mit der krauseligen Dichterfrisur.

Die Geburt einer tierischen Punk-Band – Die Ratten von Bonn

Ich saß gerade in der Schaumburg, der Ateliergemeinschaft am Hochstadenring und hantierte an meinem Tisch mit Farben, fluchte über die Temperatur in der düsteren Halle und eine vergangene nervige Woche als ich ein Geräusch hörte. Ein Rascheln und Knistern. Ich drehte mich herum und erfasste eine Bewegung in einer blauen Mülltüte einige Meter entfernt von mir, direkt am Halleneingang. Die Ratte war wieder da und zwar griffbereit in der Tüte. Hatte aus Verzweiflung Teelichter samt Alu-Hülle gefressen und jede Rattenfalle gekonnt ignoriert. Seit Monaten sah man immer wieder einzelne Ratten, falls es mehrere waren. Was tun? Das Viech muss endlich weg und die Situation erschien günstig. Ich stand leise auf, griff nach einer Graffiti-Spray-Dose neben mir; ein schönes helles Blau und pirschte mich leise ran. Ungeschüttelt hielt ich die Spraydose mit gedrückter Kappe direkt in die Mülltüte und lies den ganzen Schwall Farbe in die Tüte fliegen. Natürlich entkam der Nager. Ratten sind zäh und flink. Aber! Sie kam nie wieder. So entstand in meinem Kopf die Geschichte um Siggi. Zugedröhnt von den Farbdämpfen und aufgedunsen durch die vielen verspeisten Teelichter zieht er seit unserem Zusammentreffen durch Bonn und trifft dabei auf den dürren und drahtigen Pauke, der alles ist – nur nicht normal. Die zwei abnormalen und durchgedrehten Ratten treffen einen gemeinsamen Entschluss: Sie wollen eine Punk-Band gründen. Der Name: Die Ratten von Bonn

Ateliereröffnung Bonn

Ausstellung und Eröffnung der Bonner Ateliergemeinschaft studioVF in Bonn Dottendorf

Ausstellungen, Workshops, Kunst und kreativer Meetingraum in Bonn

studioVF in der Kessenicherstraße 199 in Bonn ist ein neuer Creative Space in NRW, an dem Kreatives und Visuelles in verschiedenster Form erschaffen wird. Hinter studioVF stehen die Kreativen Felix Franzky (F) und Tobias Sylvester Vierneisel (V) – zwei Bonner Künstler, die Ihre jeweiligen Kompetenzen aus den Bereichen Grafik, Design und Text gezielt und bewusst zusammenführen, um Kreatives zu produzieren. Das Studio und ehemalige Lampengeschäft in Bonn Dottendorf wurde am 8 / 9 Dezember 2018 nach einigen Renovierungsarbeiten im Beisein von zahlreichen Kunst- und Kreativinteressierten feierlich eröffnet und eingeweiht. Damit ist der Startschuss für (noch) mehr Kreativität in Bonn gesetzt, wenn der Goldschmied, Grafiker und Texter Felix Franzky zusammen mit dem Grafiker, Mediendesigner und Online Marketing Manager Tobias Sylvester Vierneisel kreaktiv werken.

Felix Franzky (www.datodato.de) und Tobias Sylvester Vierneisel (www.farbtunnel.de) lernten sich bei den Offenen Ateliers in Bonn kennen und stellten dort schnell fest, dass nicht nur ihre grafischen Stile zusammenpassen, sondern auch viele ihre kreativen Ideen und Vorstellungen Parallelen vorweisen. Genug Gründe gemeinsame Sachen zu machen. Als Felix Franzky dann das freie Ladengeschäft entdeckte, beschlossen die beiden Bonner Künstler kurzerhand sich den Raum mit den drei großen Schaufenstern zu teilen und gemeinsame Ideen zu entwickeln.

Creative Space / kreativer Veranstaltungsraum & Meetingraum in Bonn

Neben Ausstellungen sind kreative Workshops und Events geplant, an dem Kreative und Menschen, die kreativer werden wollen, sich treffen und austauschen können. Dabei muss es nicht zwingend um Malerei, Grafik oder Zeichnen gehen; es geht um kreatives Denken und Handeln. Ein Thema, das in der heutigen Zeit an Relevanz gewinnt. Kreativität gilt als die Ressource der Zukunft, wenn künstliche Intelligenz und automatisierte Systeme immer mehr von Menschen ausgeführte Aufgaben übernehmen. Die studioVF-Räumlichkeit soll daher nicht nur Kreativen als Anlaufpunkt dienen – auch die Möglichkeit Meetings in einem kreativ-anregenden Raum durchzuführen soll Teil des Konzepts sein. Kein Brainstorming im Meetingraum mehr, sondern eine kollaborative Zusammenkunft an einem kreativen Ort, umgeben von Kreativem in Form von Bildern, Grafiken, Büchern und anderen Objekten. Noch ist das studiVF nicht ganz fertig eingerichtet. Ein zweiter Raum wird noch renoviert und konzipiert, um die Möglichkeiten kreativer Arbeit vielseitig erlebbar zu machen.

23. Offene Ateliers Bonn

Von der Kunst leben oder für die Kunst – die 23. Offenen Ateliers in der Bonner Altstadt

„Das hast du verkackt“, war mein Gedanke, als ich das 100 x 150 Zentimeter große und 20 Euro je Bogen teure Papier betrachtete, das ich seit einigen Wochen in unregelmäßigen Abständen bearbeitet hatte. A_Girl, so der Titel der Arbeit hatte ich wirklich versaut. Und das, nachdem der Start und die ersten Zwischenschritte eigentlich gut verlaufen war. Wut, Frust und Unzufriedenheit über die Tatsache, dass ich schlussendlich fast sechs Monate Zeit und Geld in Form von Ateliermiete und Material vergeudet hatte, machten sich breit. Eigentlich war mein Ziel, bis zu den 23. Offenen Ateliers in der Bonner Altstadt neben meinen bestehenden Dotting-Arbeiten eine großformatige Arbeit fertig zu haben.

Irgendwann wurde mir aber klar, dass ich durch diese Arbeit neue Technikansätze für den Farbauftrag entdeckt hatte, die ich auch während dieser Zeit schon an einer weiteren Arbeit eingesetzt hatte. Und mir wurde wieder einmal klar, dass die Arbeit als Künstler oder Kunstschaffender in ihren Prozessen entgegen denen verläuft, wie man sie sonst aus der Arbeitswelt kennt. Man scheitert an einer Sache oder macht Fehler, sieht es aber grundsätzlich als experimentorientierten Erfahrungswert und in vielen Fällen ergeben sich unerwartete neue Effekte, die man dann weiterverwendet. Man experimentiert, bis ein finales Werk vorliegt.

Seit April 2017 bin ich Teil Ateliergemeinschaft Schaumburg, einer unbeheizten 130 Quadratmeter-Halle in Bonn, in der ich mit einigen anderen Personen den kalten Steinboden, ein altes Klo mit Graffiti-Verzierungen und fragwürdigen Nachbarn teile. Ausgestattet mit einer großen Tischplatte mit Holzböcken, einer großen Metallkiste, in der ich meine Farben und Werkzeuge aufbewahre und einem Holzklappstuhl, den ich am Einzugstag vom Sperrmüll gerettet hatte, machte ich mich damals an die Arbeit. Knapp sechs Monate waren nun vergangen als die Teilnahme an den 23. Offenen Ateliers anstand. Für mich das erste Mal und in dem Sinne das zweite Mal, dass ich mehr Menschen als nur Wohnungs- oder Webseitenbesuchern meine Arbeiten zeigen durfte.

Das erste positive Erlebnis hatte ich bereits am Freitagabend vor den Atelier-Tagen als ich auf den 78-jährigen Künstler Bernd Weschollek traf, der gerade dabei war seine Arbeiten in der Schaumburg aufzuhängen – unter anderem eine Gemeinschaftsarbeit mit einer jungen Kunststudentin, die zu einigen seiner „krieg & dessen folgen“ Collagen Gedichte geschrieben hatte. Gedichte, die das was Bernd als Kind erlebt hatte, in Worte fassten und die Wirkung der Arbeiten verstärkten. Für Künstler wie Bernd Weschollek ist seine Kunst ein Ventil, um den Erlebnissen und Erinnerungen Freiraum zu geben.

Am 30.9 und 01.10 fanden dann die 23. Offenen Ateliers in der Bonner Altstadt statt. Der Rundgang am Sonntag, bei dem alle teilnehmenden Künstler gemeinsam von der Herbstsonne begleitet von Atelier zu Atelier spazierten, um ihre Arbeiten vorzustellen, gab mir auch die Möglichkeit dem einen oder anderen die bekannte Frage zu stellen: „Kannst du von der Kunst leben?“ Und wie zu erwarten, kam meist die Antwort „Nein, ich muss nebenher noch arbeiten.“ Allerdings verdeutlichten die geführten Gespräche immer wieder, dass das Erschaffen der eigenen Kunst das Zentrum des (Arbeits-)Tages einnimmt und der Job lediglich dem Bezahlen von Rechnungen dient. Einige Tage später habe ich mich dann gefragt, wie die Befragten geantwortet hätten, wenn ich die Frage anders formuliert hätte – nämlich: „kannst du für die Kunst leben?“ Jeder hätte bestimmt ohne zu zögern die Frage mit „ja“ beantwortet, denn in erster Linie macht man Kunst, weil es eine Leidenschaft ist, eine Bestimmung oder vielleicht auch ein Ausweg. Dabei unterscheidet man nicht, ob es um Bildende Kunst, Musik oder Tanz geht. Es ist eine Aufgabe, der man sich hingibt und für die man bereit ist Opfer zu bringen und zu leiden.

Da ich beruflich permanent mit der Digitalisierung konfrontiert werde, war ich beim Rundgang durch die schönen Ateliers froh, zu sehen, dass das analoge Erschaffen für die Künstler (noch) im Fokus steht. Pinsel, Farbe, Papier, Leinwand oder das Arbeiten mit Materialien wie Holz, Ton oder Metall machen die Werke aus, ergänzt durch die teilweise analoge Fotografie, erzeugt durch das Arbeiten mit den Händen, viel Körpereinsatz, das sich Befassen mit Farbe, Form, Struktur und dem Objekt oder dem Thema. In Zeiten, in denen Menschen ihre meiste Zeit mit dem Blick auf ein Display und dem Interagieren mit digitalen Inhalten verbringen, ist analoge Kunst ein Ausgleich für Augen, Geist und alle menschlichen Sinn. Ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein ist ein schönes Gefühl, das ich nicht mehr missen will. Eine Gemeinschaft, die irgendwie einen Kontrast zur Gesellschaft bildet, die gerade durch die aktuellen Entwicklungen nur wenige positiv erscheint.

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An insgesamt 24 Standorten konnte man Kunst sehen und erleben, mit den Künstlern in den Dialog treten und erfahren, welch kreatives künstlerisches Potential sich in der ehemaligen Bundeshauptstadt findet. Umso trauriger ist es, dass die Stadt Bonn und ihre Verwaltung dieses Potential nicht erkennt und ausreichend fördert, ja fast schon ignoriert. Während das Ruhrgebiet sich zum neuen Kultur- und Kreativzentrum entwickelt, das mehr und mehr Künstler anzieht, verpasst Bonn die Möglichkeit, aus einer ehemaligen Hauptstadt mehr zu machen als nur das zu Hause der Deutschen Post und der Telekom. Vielleicht können die Künstler der Altstadt das ändern.

 

 

Female Body Remixed_2

Analog – Digital – Analog Stencil Art

Female Body Remixed

Female Body Remixed_2 ist eine aktuelle Acryl- und Tuschearbeit (70 x 100 cm), die auf Basis einer Zeichnung aus dem Jahr 2002 entstanden ist. Die Zeichnung Female Body 01 entstand damals durch einen schnellen schwunghaften Strich, über welchen ich die Schatten und Muskeln von verschiedenen Körperdarstellungen erfasste. Aus diesen Strichen entwickelte ich eine panzerartige Struktur, sodass von der eigentlichen Person oder dem Objekt nur noch die Körperhaltung übrigblieb. Verschiedene Arbeiten dieser Art sind damals entstanden aber nur eine wurde weiterverarbeitet.

2015 kam die Digitalisierung zum Einsatz. Die groben Flächen wurden mit Pauspapier erfasst, gescannt und dann vektorisiert. Auch die Netzstruktur wurde auf analogem Weg erzeugt und dann vektorisiert, um dann die beiden Flächen (Female Body und Netzstruktur) digital zu kombinieren.

female body remixed

Diese digitale Version von 2015 habe ich auf eine große Fläche übertragen und per Stencil-Technik (Rausschneiden der schwarzen Flächen) als Stencil-Schablone erzeugt – ein extrem aufwändiger Schritt. Eine Stencil-Schablone wird durch das Bearbeiten mit Farbe und Farbrolle oder durch Sprühfarbe stark beansprucht, sodass das Papier oder der Karton sich oft verformen oder die Fasern sich auflösen. Um die Haltbarkeit des hier erzeugten Stencils zu erhöhen, kam daher das Burgund Aquarellpapier von Hahnemühle zum Einsatz. Selbst nach mehrfacher Nutzung ist die Stencil-Schablone noch einsetzbar.

Die Grundstruktur in Acrylfarbe wurde dann mit einer Rolle auf Acrylpapier übertragen und anschließend mit einem eigens entwickelten Farbauftrag mit ineinanderfließenden Farbflächen versehen. Zum Einsatz kam ein 360 g/m² Acrylmalkarton von Hahnemühle, der den speziellen Farbauftrag gut aufnimmt und für maximale Farbbrillanz sorgt. Die Farbflächen weisen durch die Art des Auftrags kleine getrocknete Farbbläschen vor, die der Arbeit Struktur geben. Diese Version musste erst einmal einige Wochen ruhen, bis ich die finale Ergänzung fand, die aus meiner Sicht noch fehlte. Die schwarzen ausgefranzten Halbovale um den Körper erzeugen eine angedeutete Räumlichkeit und Bewegung, dienen in meinen Augen aber der Vollendung der Gesamtkomposition.

Female Body Remixed_2 - Details

Female Body Remixed_2 - Details

Das für mich Besondere in dieser Arbeit ist der mehrfache Wechsel zwischen Analog und Digital. Dabei sehe ich das Digitale nie als die Alternative zum Anlogen, sondern als eine Erweiterung der Möglichkeiten. Meine persönliche Meinung ist, dass die Digitalisierung niemals das Verhalten von unterschiedlichen flüssigen Farben und deren Verarbeitungsmöglichkeiten 1:1 nachbilden kann. Faktoren wie der Untergrund, sein Verhalten bei großer Feuchtigkeit (sehr nasser Farbe), die Art des Farbauftrags, Körpereinsatz und damit Bewegung sind digital nicht nachstellbar. Die relevante und künstlerische Basis wird durch das Analoge erzeugt und gibt der Arbeit seine persönliche und emotionale Wirkung.

Farbtunnel Kreativraum für kreative Freiheit

Joseph Beuys sagt: „Kunst = Mensch = Kreativität = Freiheit“ – für mich ab 250,00 € im Monat

“Who the F…k is Joseph Beuys?“ fragt sich der eine oder andere, wenn er die Überschrift liest. Abgesehen davon, dass er eine herausragende Künstlerpersönlichkeit war, dessen Werk bis heute von intensiven und oftmals hitzig geführten Debatten begleitet wird, ist er aus meiner Sicht vor allem eines gewesen: Ein authentischer Rebell, der unter anderem in den frühen 70er Jahren durch sein gesellschaftspolitisches Engagement in den Medien für Aufsehen sorgte. Als Bildhauer betrachtete er die Gesellschaft als eine „soziale Plastik“, die durch ihre Mitglieder geformt wird. Seine wohl bekannteste oft aber auch falsch interpretierte Aussage war: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ Damit bezieht er sich auf die Bestimmung des Menschen, durch kreatives Handeln sich selbst und die Gesellschaft zu verändern. Der aktuell in den Kinos laufende Film Beuys ist eine aus meiner Sicht sehr gute und vor allem filmisch perfekt umgesetzte Darstellung seiner Person, seines Schaffens und seiner Botschaft an die Gesellschaft.

Bis vor einigen Jahren mochte ich Beuys gar nicht, weil seine Aktionen, Zeichnungen und Skulpturen für mich fremd waren, visuell nicht greifbar und zu unverständlich. Fett, Filz, kritzelige Zeichnungen, Schlitten und wie es so mancher heute noch nennt „Sperrmüll“ – alles Kunst-Quatsch, der der intellektuellen Elite ein Zuhause bietet? Irgendwann aber wollte ich dann doch wissen, was es mit dem Mythos Beuys auf sich hat. Das Buch „Zeig mir deine Wunde“ von Rüdiger Sünner war der Einstieg und hat mich förmlich in den Bann gezogen. Ich war fasziniert vom Beuys Vorstellungen und seiner Art über Kunst mit der Gesellschaft zu kommunizieren.

Ich will hier aber nicht über Joseph Beuys sprechen oder gar über seine Person oder seine Arbeit. Ich will lieber seine Worte nutzen, um die mir oft gestellten Fragen zu beantworten: „Und was genau machst du da?“, „Und verdienst du damit überhaupt Geld?“, „Und warum machst du das eigentlich?“. „Und warum der Name FARBTUNNEL?“

Die Schaumburg Bonn – mein erster Kreativraum

Im April 2017 hatte ich eine neue Ebene erklommen und zahlte monatlich 250,00 Euro dafür, dass ich in einer abgeranzten 130 Quadratmeter-Halle auf mir zustehenden 15 Quadratmetern kreativ experimentieren und buchstäblich rumsauen konnte. Allerdings war ich erst an drei oder vier Tagen zum „kreativen Arbeiten“ vor Ort, und selbst mit den „Ich organisiere mich“-Tagen kam ich in Summe vielleicht auf zehn Tage Aufenthalt im Atelier. Ein Raum, der im Winter kalt war, weil keine Heizung vorhanden war, das Klo ein Kunstwerk für sich darstellte und in der näheren Umgebung die örtlichen Drogensüchtigen der Stadt Bonn sich die Zeit vertrieben. „Park dein Auto besser nicht direkt in der Straße und schließ die Tür immer von Innen ab, wenn du da bist!“, so die Worte von Pablo Gimenez, dem authentischen Fotografen, der als Hauptmieter mir die Atelierräumlichkeit mit dem Namen „Schaumburg“ schmackhaft gemacht hatte. Aber genau dieses Abgeranztheit und diese Ungemütlichkeit, nach der ich auch gesucht hatte, machten es aus. Die Halle war (sie ist seit 2023 geschlossen) ein kreativer Ort, an dem man Ideen maximal ausleben konnte, ohne Rücksicht auf Verluste und in voller Freiheit. Sie bildete eine Art Kontrastwelt mit Steinboden, seltsamen Gerüchen und Geräuschen, die fast schon anregend wirkten. An einem heißen Sonntag hatte ich über sieben Stunden dort verbracht und unter der Wirkung von dunklen elektronischen Ambient-Sounds auf den Ohren an einem ersten großformatigen Werk auf Papier gearbeitet. Doch warum war ich bereit 250,00 Euro meines monatlichen Einkommens in etwas zu investieren, was vielleicht gar kein Geld einbringen würde? Dazu muss man hinzufügen, dass die Kosten für Künstlermaterial – im meinem Fall unter anderem Aquarell- und Acrylfarben, Tusche, hochwertige Papiere, Pinsel oder Skizzenbücher schon enorme Kosten mit sich bringen. Warum macht jemand so etwas? Als Antwort würde schon die Gegenfrage ausreichen: „Warum schafft man sich ein Auto an, um zur Arbeit, ab und an in den Urlaub oder zum Einkaufen zu fahren, das bei einem Neupreis von durchschnittlich 30.000 Euro plus Benzin, Steuern, Versicherung und Reparaturen die monatlichen Ausgaben einer Person mit weit über 250,00 Euro belastet. Dazu muss man sagen, dass ein privater Pkw in Deutschland durchschnittlich 23 Stunden am Tag nur herumsteht. Klingt das nachvollziehbar? Warum macht man so etwas?

250,00 Euro im Monat für maximale kreative Freiheit und Weiterentwicklung

Für mich ist das, was ich unter dem Namen FARBTUNNEL veröffentliche Idealismus, Identität und eine Art Kontrastprogramm zu dem, was sonst um mich herum passiert – im beruflichen und im privaten Alltag. Mein persönliches kreatives Arbeiten gibt mir die Freiheit und den Raum, die ich brauche, um etwas nur nach meinen Vorstellungen und Prozessen zu erschaffen und meinen kreativen Motor am Laufen zu halten. Nicht begrenzt durch Vorgaben, Einschränkungen oder die Meinung anderer. Ich definiere und kontrolliere den gesamten Prozess, entscheide über fertig und unfertig und wehre mich bewusst gegen den Faktor Zeit. Es gibt keine Deadline, keinen Druck und keine Absprachen, sondern absolute kreative Freiheit. Der Nutzen darüber hinaus ist aber auch das Weiterentwickeln meiner Kreativität für meine berufliche Tätigkeit als Marketing Manager und Mediendesigner. Ideen entstehen nicht im Büroraum – hier können sie vorgestellt, weiterentwickelt und ausgearbeitet werden. Sie entstehen durch Zufälle oder Eindrücke, die man sammelt und genau hierfür braucht es Zeit und die passende Umgebung.

Das Arbeiten in einem Raum wie der Schaumburg unterstützt gerade durch seine Atmosphäre den kreativen Prozess. In gewisser Weise unterstützt er eine Rebellion gegen Standards, Vorgaben und Eingrenzung. Er schreit geradezu nach Freiheit und Ausbruch. Beweg dich, experimentiere mit Materialien, scheitere bewusst und verwerfe die eine Idee, um daraus eine neue zu entwickeln. Das kann aber auch bewirken, dass ich beim Arbeiten an einem Werk im Atelierraum eine Idee im beruflichen Kontext habe – also für meine berufliche Tätigkeit. Diese skizziere oder dokumentiere ich dann und sammle weiter Gedanken dazu. Eine Art kreativer Parallelprozess, von dem im besten Fall auch mein Arbeitgeber profitiert. Während ich im beruflichen Alltag natürlich mit Vorgaben, zeitliche Faktoren oder Standards konfrontiert werde, und diese auch unabdingbar für ein Unternehmen sind, bietet alles, was ich unter dem Namen FARBTUNNEL erzeuge, erschaffe und veröffentliche, den Ausgleich dazu.

Die Gleichung von Joseph Beuys „Kunst = Mensch = Kreativität = Freiheit“, die man übrigens beliebig umstellen kann, unterstreicht für mich den Kernaspekt dessen, was ich tue – etwas oder Dinge zu erschaffen und das Ausleben von Kreativität.

Vielleicht inspiriert die eine oder andere Arbeit den einen oder anderen Menschen – nicht unbedingt zum Malen oder Zeichnen, sondern zur Ergründung und zur Nutzung seiner kreativen Fähigkeiten oder zur persönlichen Veränderung. Gerade hier sehe ich den Nutzen für die Allgemeinheit, denn damit hätte das, was ich tue einen Nutzen für die Gesellschaft und damit für die Welt von morgen.

Chris Boos, CEO und Gründer des Unternehmens arago, das sich auf künstliche Intelligenz spezialisiert hat, wurde in einem Interview gefragt, was dem Menschen noch bleibt, wenn Computer-Systeme und künstliche Intelligenz einen Großteil der von Menschen ausgeführten Aufgaben übernehmen. Seine Antwort: Die Kreativität und damit das Potential neue Ideen zu entwickeln. Wenn ich also 250,00 Euro im Monat in einen Raum investiere, der mein kreatives Schaffen unterstützt, dann ist diese Investition besser als jede Geldanlage für meine Rente.

Zitat Joseph Beuys

Analoges kreatives Arbeiten als Basis für analoge und digitale Versionen und Visionen

Ich lasse mich von visuellen Eindrücken in meiner Umgebung, durch Szenerien oder durch Darstellungen in Medien inspirieren, sammle diese und entwickle daraus eigene Skizzen und Entwürfe, die in einer großen Mappe oder in Skizzenbüchern gesammelt werden – eine Art Kreativ-Reservoir. Diese kombiniere ich mit teils selbst entwickelte Techniken wie dem Dotting, sodass verschiedene Versionen entstehen, die zu einem späteren Zeitpunkt und mit anderen Techniken weiterentwickelt werden.

Analog und digital werden hierbei oft kombiniert. Dabei setze ich nicht auf bewusstes Composing in Programmen wie Adobe Photoshop oder das gezielte Arbeiten mit anderen Grafikwerkzeugen, sondern auf das frei-kreativ orientierte Experimentieren und den Zufall.

Ich selber sehe mich aber nicht als Künstler. Kunst oder Künstler sind für mich lediglich Begriffe, die der anderen Seite dazu dienen können, das einzuordnen, was ich mache – denn ich selber betrachte es nicht als Kunst, sondern als kreatives (Er)Schaffen, wobei ich nicht zwischen Malerei, Grafik, Text oder Video unterscheide. Es sind lediglich die Medien, über die ich mich ausdrücke oder über welche ich Informationen zum Ausdruck bringe. Insbesondere Grafik oder Malerei sind eine Form der Informationsübermittlung, wenn die Worte nicht verstanden werden oder zu viele Details liefern. Details, die man nicht preisgeben will, denn hinter jeder visuellen Arbeit steht in gewisser Weise ein Code an Informationen, den vielleicht sogar der Erschaffer selber nicht lesen kann oder bewusst übersieht.

In diesem Sinne beende ich den Beitrag mit den Worten von Joseph Beuys: „Die Schöpfung kann mich mal, für mich ist der Mensch immer noch der Schöpfer selbst.“

Beitrag: Kreativität als Eigenschaft, innerer Einstellung oder komplexer Prozess

Skulls Artwork

Skulls – Artworks 2000 – 2017

Vor vielen Jahren hat meine Faszination für den menschlichen Schädel begonnen und immer wieder habe ich Abbildungen in Form von Schädelfotografien und Bildern als Basis genutzt, um meine eigene Interpretation der Form zu entwickeln. Dabei ging es mir nie um das Thema Tod und Sterblichkeit an sich, sondern um die Form. Eine Form, die in gewisser Weise die Persönlichkeit eines Menschen nach seinem Tod symbolisiert, so meine Auffassung. Künstler wie Picasso, Andy Warhol, Georges Braque oder Max Ernst haben den menschlichen Schädelknochen als Symbol in ihren Werken verarbeitet, jeder in seinem individuellen Stil. Kann man hier schon von Schädelkult sprechen? Betrachtet auf unsere Gesellschaft hat der Schädel oder besser gesagt der Totenkopf immer wieder seinen Weg auf Objekte unserer Umwelt gefunden. Von der Piratenflagge über die Mützen der SS-Truppen, den Westen der Hells Angels oder Shirts bekannter Modemarken. Ist das Ironie oder Ignoranz?

Details in English

Etwa im Jahr 2000 sind die hier zu sehenden Versionen entstanden, bei denen ich Aquarellfarbe und Fineliner kombiniert habe. Flächen und Geometrie bilden die Komposition rund um das zentrale Element, den menschlichen Schädelknochen.

Um 2002 sind verschiedene Bleistiftarbeiten entstanden, bei denen ich durch schwunghafte Skizzierung der Schatten und Strukturen die eigentliche Schädelform verfremdet habe. Durch das Ausarbeiten sind surreale Objekte entstanden, die für den Betrachter die Basis fast unkenntlich werden lassen. Nur wenige Menschen, die die Arbeiten sehen, können den Schädel erkennen.

2015 habe ich die Technik Dotting entwickelt, bei der ich die Farbe mit medizinischen Spritzen auftrage. Die auf Basis natürlicher Objekte entwickelten Formen entstehen in mehreren Schritten bis am Ende eine Komposition aus Strukturen entsteht, die die Basis für das Gesamtwerk bilden. Skull V5 ist eine Kombination aus V4 und V3 und bildet somit das Optimum der Strukturflächen.

Die digitale Transformation findet nicht nur durch das Einscannen der Arbeiten für die Darstellung im Internet statt, sondern auch durch das Weiterverarbeiten. Auf diese Weise sind die hier sichtbaren Arbeiten entstanden. Da grafische Programme je nach Werkzeug, Filter oder Funktion nach festen Algorithmen arbeiten, entstehen oft komplett neue Formen und Objekte, die dann wiederum in eine neue analoge Form umgewandelt werden können. Ab hier beginnt ein kreativer Prozess, der sich unter Umständen über mehrere Jahre hinzieht und entwickelt.

Schatten kreativ einsetzen

Natürliche Schatten kreativ eingesetzt

Strukturen, visuelle Effekte und Lichtspiele

Natürlich erzeugte Schatten können inspirieren und bewusst kreativ eingesetzt werden – sei es durch die Übertragung auf Papier oder eine andere Fläche, durch das Abfotografieren und das Kombinieren mit anderen Elementen. Was Schatten als kreative Elemente ausmacht, ist, dass sie reale, surreale und abstrakte Formen entstehen lassen, abhängig vom Licht und dem jeweiligen Objekt. Das Objekt kann dabei bewusste gewählt sein oder rein zufällig. Ein Schatten kann folglich zufällig entstehen oder bewusst durch das eigene Einwirken, beispielsweise durch eine Schablone. Im den Beispielen unten habe ich eine Schablone erstellt, um die Schrift auf eine Fläche zu projizieren.

Schatten bilden Formen und Muster

Schatten werden in unserer täglichen Umgebung in unterschiedlichster Form erzeugt. Licht und ein Objekt bilden die Basis dessen, was unser Auge wahrnimmt. Was unsere Kreativität daraus macht, hängt von vielen Faktoren ab. Der wichtigste Faktor ist, den erzeugten Schatten visuell in seiner Form und seiner Wirkung zu erfassen. Das setzt voraus, dass wir mit offenen Augen unsere Umwelt wahrnehmen, uns auf diese einlassen und uns Zeit nehmen, um die visuelle Wirkung der Objekte und deren Schatten zu erfassen.

Diese Schatten bilden Formen und Muster und lassen oft Assoziationen beim Betrachter entstehen. Diese Assoziationen können bewusst verarbeitet und durch die menschliche Kreativität erweitert und genutzt werden. Was daraus entsteht, könnte man Kunst nennen. Eine Kunst, bei der die Natur, das Objekt und der Mensch gemeinsam etwas erschaffen. Die Natur liefert das Mittel, das Objekt die Basis und der Mensch die kreative Verarbeitung.

Mit Schatten kreativ arbeiten

Die heutigen Handykameras liefern teilweise sehr gute Ergebnisse und ermöglichen daher ein Abfotografieren von Schatten selbst bei schlechtem Licht. Das wiederum bedeutet wenig Nachbearbeitung und es reicht ein kostenloses Bildbearbeitungsprogramm wie GIMP aus, um Bildkompositionen und visuelle Effekte zu erzeugen. Daher sammle ich Schatten und Schattenstrukturen, mache Aufnahmen mit dem Handy aus unterschiedlichen Perspektiven und verarbeite diese in meist digitalen Objekten. Oft liefern mir diese Schattendarstellungen auch Ansätze und Ideen für analoge Arbeiten, seien es Strukturen für Hintergründe, Bewegungen oder Formen.

Für die unten aufgeführten Arbeiten „squares 01“ und „squares 02“ habe ich einen Bildausschnitt aus dem ebenso sichtbaren Stufen-Foto ausgewählt und die erzeugte Form als Basis für die minimalistisch abstrakte Arbeit genutzt.

Im nächsten Schritt habe ich eine Schablone aus squares 01 erstellt und die Flächen in zwei Schritten auf eine Leinwand übertragen. Zuerst die untere Fläche von Hand und dann die oberen Elemente durch das Auftragen von Acrylfarbe unter Einsatz der Schablone. Wenig Farbe und unverdünnt auf den Pinsel erzeugt einen trockenen Strich.

Als weitere Komponente habe ich Farbe ins Spiel gebracht und eine dritte Schicht erzeugt. Flüssige, angeschäumte Farbkleckse wurden verteilt und nach festem Prinzip untereinander verbunden. Das Ergebnis ist eine abstrakte Komposition auf Basis einer erzeugten Schattenstruktur.

Schatten kreativ einsetzen heißt im ersten Schritt diese zu erzeugen oder sie zu erfassen, wenn sie entstehen, denn einen Nachteil haben Schatten. Sie sind vergänglich, je nach Objekt und Licht sogar einmalig. Also: Augen auf und Fotos machen.

Liquid Colour Art

Visueller Effekt mit alten Kunststoffverpackung und flüssiger Farbe

Analoge und digitale Effekte kombiniert

Man nehme eine gängige Kunststoffverpackung, flüssige Farbe (Aquarellfarbe, Tusche oder andere Farbarten), ein Glas Wasser und eine Handykamera. Dann mischt man alles mit etwas Adobe Photoshop oder einem anderen Bildbearbeitungsprogramm und fertig ist ein visueller Effekt.

Reiner Arbeitsaufwand für den visuelle Effekt: Maximal eine Stunde

Eigentlich hatte ich für ein geplantes Video Testaufnahmen gemacht und hierfür farbiges Wasser in transparente Kunststoffverpackungen gefüllt. Nicht der visuelle Effekt, sondern die Bewegung war mein Ziel. Mein Blick blieb aber an der unten sichtbaren Verpackung hängen. Die Form, das Licht, die Farbwirkung. Ich war fasziniert und in solchen Momenten heißt es für mich: Los geht’s. Mal schauen, was man daraus machen kann.

Mit dem Handy habe ich das Objekt abfotografiert, bewusst das Sonnenlicht genutzt und anschließend das Foto in Photoshop nachbearbeitet. Dann habe ich ein Glas Wasser genommen und flüssige Farbe in das Glas tropfen lassen – eine weitere visueller Effekt. Diese Foto habe ich dann als Hintergrund genutzt und über einen Ebeneneffekt das finale Ergebnis erzeugt. Der visuelle Effekt, der hier zu sehen ist, ist also im Prinzip durch einen Zufall entstanden. Und Zufälle sind das, was man in der Kreativität bewusst zulassen und nutzen sollte.

Wer sich die Schritte für den visuellen Effekt im Detail anschauen will, kann sich am unten aufgeführten Speed-Painting-Video erfreuen. Hier habe ich den Vorgang noch einmal nachgestellt. Für das Freistellen in Photoshop und die Erstellung des visuellen Effekts habe ich mir für die finale Version etwas mehr Zeit genommen.

Fazit

Um visuelle Effekte zu erschaffen reichen oft Dinge aus, die man entweder für wenig Geld beschaffen kann oder die man bereits im Haushalt oder gar im Müll hat. Was zählt ist, dass man mit etwas Phantasie, Abstraktion und Kreativität die Dinge betrachtet. Man muss sich Zeit nehmen – im Prinzip eine Form von Achtsamkeit. Auf diese Weise können Dinge entstehen, die eine faszinierende visuelle Wirkung haben und die andere als Kunst bezeichnen. Manch ein Grafikdesigner verbringt Stunden mit Photoshop, um einen visuellen Effekt zu erzeugen, obwohl es oft analoge Möglichkeiten gibt, die wesentlich effektiver sind und einfacher umzusetzen. Mehr dazu in meinem sich gerade im Aufbau befindenden Kreativ-Blog.

FARBTUNNEL – Einzelausstellung im Caffe Cultura in Bonn-Beuel

Der Künstler aus Bonn an der Nadel

Vom 09. März bis 31. Mai 2016 stellt der Bonner Künstler Tobias Sylvester Vierneisel aktuelle „Dotting“-Aquarelle im Caffe Cultura in Bonn-Beuel aus. Die mit Hilfe von medizinischen Spritzen und Tuschefedern kreierten Aquarellgrafiken zeichnen sich durch illustrative, organisch-abstrahierte Motive in einer feinlinigen und akribischen Darstellung aus. Die Technik „Dotting“ mit starken, aber sparsam verwendeten Farben hat der Künstler eigens für die Darstellung von erzeugten Strukturen entwickelt.

Dotting als Technik habe ich über die letzten eineinhalb Jahre entwickelt. Was als Idee angefangen hatte, ist auf Basis von ersten Arbeiten und Studien heute zu einem akribischen Prozess geworden, der ein enormes Maß an Geduld, Feingefühl und innere Ruhe erfordert. Das Ergebnis sind sehr feine und ornamentartige und Strukturen“, erklärt Tobias Vierneisel.

Das besondere an Dotting ist das Werkzeug, das beim Farbauftrag zum Einsatz kommt: Medizinische Spritzen dienen dem präzisen und kontrollierten Aufbringen der Aquarellfarbe. Sogenannte „Dots“ entstehen, die eine eigene Flächenwirkung erzeugen. Nach der Weiterverarbeitung entstehen mit minimalen Farbübergängen versehene Ornamentelemente. Keines der Ornamentelemente berührt ein anderes, Weißflächen bilden die Grenzen der Elemente zueinander.

„Mit der Auswahl des Objekts und ersten Skizzen einer für das Dotting optimalen Struktur beginnt die Arbeit. Stimmt die Struktur nicht, wirkt die gesamte Bildkomposition unausgeglichen und unsymmetrisch“, beschreibt der Künstler den Entstehungsprozess.

Und der Entstehungsprozess ist lang: Von den Anfangsskizzen, über erste Studien, die Komposition aus Elementen, die Farbwahl und die finale akribische und konzentrationsfordernde Umsetzung mit Hilfe der mit Aquarellfarbe gefüllten medizinischen Spritzen vergehen Tage oder gar Wochen, bis ein Werk fertig ist.

Dotting painting technique details

Dotting Art – an individual and unique painting / illustration technique

For my Dotting artwork I use syringes for applying colour

I developed Dotting as a painting technique in 2015. What began just as an idea in my mind has become a perfection orientated process based on first artworks and sketches. The technique Dotting requires above all three things: patience, sensitivity and an ease of mind.
The particular thing about Dotting artwork is the tool that is used for it. The colour is applied precisely using syringes so that an ornamental composition of elements joined by minimal colour transitions is created. The white surface of the paper provides the border so that the elements have no contact with one another.

By choosing the object the sketching and capturing of an optimal structure for the Dotting technique begins. The created structure is the main part of every artwork and represents the visual look and the effect generated by the Dotting technique. If the structure misfits, the whole composition appears unbalanced and unequal.

Therefore every artwork requires coming to terms with the basic form of the object itself. How is the object constructed, where are the basic areas, where are edges and where the axes? What can be extended or modified to accentuate the surreal?
The next step is to create structure elements by drawing quick strokes. These strokes are extended steadily until a first possible overall structure is generated. After this step watercolour is applied to the paper for further processing. A first version arises. By creating this version possible inequalities can be captured and optimized in the second or also third version. The final version matches the optimum of my personal imagination concerning the chosen object.

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Dragonfly V1 – Watercolour on paper – 02.2016
FACE V1 – Watercolour on paper – 02.2016
FACE V1 – Watercolour on paper – 02.2016

Looking at the Dotting artwork it is not about the object, it is more about the process itself and its single steps. Starting with the first sketches, studies and compositions up to the last step – applying the colour to the paper by using the syringes in a meditative and concentration requiring way. I want the viewer to experience the process in a visual and mental way.
Time is always the crucial factor for every artwork. When the paint application process starts patience and ease of mind do influence the final successful result. The smallest state of anxiety or a previous interaction with certain parts can wreck hours of work. Dotting as a technique requires working slowly, cautiously and sensibly. Time is the core element of the meditation and concentration needed.

Dotting as an art and illustration technique is still in a genesis phase. The aim is to optimise and to extend the technique to a maximum. New forms, new structures, working with different kinds of colours and also large formats. The challenge is to transfer structures to large formats in a target-aimed way and to afford effects as a result. The paint application is the same but the dots get wider, they behave different and create another optical effect depending on the kind of colour and the painting ground.

For all Dotting artworks follow the link Dotting

Kunst mit Spritzen

Dotting Art – eine individuelle und einzigartige Illustrationstechnik

Medizinische Spritzen als grafisches Werkzeug für den Farbauftrag

Dotting als Illustrationstechnik habe ich 2015 entwickelt. Was als Idee angefangen hatte, ist auf Basis von ersten Arbeiten und Studien heute zu einem perfektionsorientierten Prozess geworden. Insbesondere drei Dinge erfordert die Technik Dotting: Geduld, Feingefühl und innere Ruhe.

Das besondere an Dotting ist das künstlerische Werkzeug, das zum Einsatz kommt. Medizinische Spritzen dienen dem präzisen und kontrollierten Farbauftrag der Aquarellfarbe, sodass ornamentartige und mit minimalen Farbübergängen versehene Bildkompositionen entstehen. Keines der Ornamentelemente darf ein anderes berühren. Bewusste Weißflächen des Papiers bilden die Grenzen der Elemente zueinander.

Mit der Auswahl des Objekts beginnen die Skizzierung und das Finden einer für das Dotting optimalen Struktur. Diese Struktur ist der Anteil jeder Arbeit, der das Gesamtbild und das Wirken des durch das Dotting erzeugten visuellen Effekts ausmacht. Stimmt die Struktur nicht, wirkt die gesamte Bildkomposition unausgeglichen und unsymmetrisch.

Jede Arbeit erfordert daher ein Auseinandersetzen mit der Grundform des Objekts. Wie ist das Objekt aufgebaut, wo sind Flächen, wo sind Kanten, wo sind Achsen? Was kann erweitert und was verändert werden, um das Surreale zu unterstreichen? Oft kommen daher unterschiedliche Bildansichten eines Objekts zum Einsatz, werden kombiniert mit Elementen anderer Objekte, sodass sich ein stetiges sich Wegbewegen von der realen Darstellung vollzieht. Schnelle Striche lassen im nächsten Schritt Strukturelemente entstehen, die stetig erweitert werden, bis eine erste mögliche Gesamtstruktur vorliegt. Dann folgt der Schritt des Farbauftrags und der Verarbeitung der nassen Farbe, sodass eine erste Version entsteht. Durch diese erste Version können mögliche Fehlstrukturen erfasst werden, die in der zweiten oder auch dritten Version angepasst und optimiert werden, bis eine erste finale Version vorliegt. Die finale Version entspricht dem Optimum meiner Vorstellung in Bezug auf das gewählte Objekt.

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Dragonfly V1 – Watercolour on paper – 02.2016
FACE V1 – Watercolour on paper – 02.2016
FACE V1 – Watercolour on paper – 02.2016

In den Dotting-Arbeiten geht es weniger um das Objekt an sich, sondern um den Schaffensprozess in seinen Einzelschritten. Von den Anfangsskizzen, über erste Studien, die Komposition aus Elementen, die Farbwahl und die finale fast meditative und konzentrationsfordernde Umsetzung mit Hilfe der mit Aquarellfarbe gefüllten medizinischen Spritzen. Der Betrachter soll den Prozess visuell wahrnehmen können.

Zeit ist stets der Faktor, der für jede Arbeit ausschlaggebend ist. Beginnt der Prozess des Farbauftrags, entscheiden Geduld und innere Ruhe über ein erfolgreiches finales Ergebnis. Schon der kleinste Unruhezustand oder ein verfrühtes Interagieren mit bestimmten Bereichen kann im schlimmsten Fall die Arbeit von Stunden zunichte machen. Die Technik des Dottings verlangt ein langsames, achtsames und bewusstes Arbeiten. Der Faktor Zeit wird zum Kernelement der kreativen Arbeit.

Dotting als Technik befindet sich weiterhin in einem Entstehungsprozess. Ziel ist es, die Technik maximal zu optimieren und zu erweitern. Neue Formen, neue Strukturen und das Arbeiten mit anderen Farben. Großformate und das Arbeiten auf Leinwand und damit auf großen Flächen. Die Herausforderung besteht darin, die Strukturmöglichkeiten auf große Flächen zu übertragen, andere Farbarten wie Acryl zielführend einzusetzen und eine entsprechende Wirkung zu erzielen. Der Farbauftrag bleibt gleich aber die Dots werden größer, verhalten sich auf dem Untergrund anders und erzeugen eine eigene optische Wirkung je nach Farbart und Untergrund.

Alle Dotting-Arbeiten unter dem Link Dotting

Dotting art - DRAGONFLY V1 – Watercolour on paper – Libelle Illustration

Another Dotting artwork using medical enjections

This is the other final version of a new Dotting artwork called „Dragonfly“ V1 (V1 means it is the first version). A dragonfly has no detailed structure, just maybe the wings so I had to find a structure for the central body that hamonizes with the wings and their structure. The wings were much more easier to develop as I already created wings for a butterfly. Finding a perfect structure for the whole body including the wings has required a lot of sketches. To keep things easier I developed first only one side to duplicate it later for the final artwork. The whole process of the artwork took me more than a week.

Dotting art - FACE V1 - Dotting - watercolour on paper - Ornament

New final Dotting artwork using medical enjections

I finished two new Dotting artworks a few days ago and this is the first one called „FACE“ V1 (V1 means first Version of a FACE). This is the first time I use my unique illustration technique for a human representation. Finding the perfect structure for the Dotting technique is always a complex process and I need to do a lot of sketches until I have a final drawing I can use for the first version. Sometimes the whole process can take more than a week depending on the object. Photoshop allows me to create digital versions of the scanned artwork. A dark background is more effective on a screen and this is the reason why you can see the two versions below. Dotting is my own art technique. The important tools I use for it are medical injections to apply the colour on the paper.

Robot Illustration Watercolour

Robot painting drawing

Robot illustration – Watercolour and ink on paper

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Robots is a series I started at the end of 2014 and I’m still working on it. Other characters and other technics are planned. I was thinking about our time now and the upcoming future. Robots or AI are already a part of our normal life as they do things in the industry but also in the military section. No human failure, no rest, nothing should go wrong. It’s been said that in the future intelligent robots and Artificial Intelligence will be able to make human planning and decisions. That’s the idea but think about military drowns or military robots. If something goes wrong and if responsible persons lose control. Then what?

The way I started to work was a really easy step. Drawing a line from the top to the bottom of the paper. Then I began to draw the head and its parts by constructing geometric forms. The idea was to create the characters plane, abstract and surrealistic, without any shadows or plasticity. I had a kind of mural painting in my mind and wanted to keep it simple focusing on the coloured layers as a last step. I constructed first just one side and transferred later every point and every line or circle to the other side.

Robot painting „Robot 3“

For the first one (see below) I used acrylic colour, later I changed to watercolour. The important fact is that I never made a sketch of the whole robot or the geometric parts like the head, the arms or the legs. I build it up completely from the top to the bottom.

„Robot 1“

Robot 1 - Acrylic on paper
Robot 1 – Acrylic on paper

Robot illustration „Robot 2“

 

Robot illustration „Robot 4“

Skull V1

I went on focusing on organic ideas and usted a drawing I made a few months ago. The first version of a „dotted“ skull was finished today. Dotting as a technique means in every case to find a structure and this makes it difficult during the whole process. Another version is planned and maybe also a third one.

Claw Illustration

Female Body

Female body is a typical example of artwork I did a long time ago (August 2002) and I used it again during the time I learned how to use software such as Adobe Photoshop and especially Adobe Illustrator. Creating vector graphics was a new experience and I realised that I can use my drawings to generate versions of them. In this case just by adding layers of structures I also generated by using Adobe Illustrator. The drawing from 2002 was my own way to create surreal figures so that the following series was created in this period. Focussing on the human body and its shadows I used pictures of bodies and sculls to generate my own idea of them. Maybe they look dark but I think this depends on the personal definition of the viewer.

Space Girl Skizze

Space Girl Artwork

Space Girl – Watercolour and fineliner

Space Girl is a large illustrative painting I did at the end of 2014. I collect pictures from newspapers, journals and other media to use them as drafts but I normaly only use the posture of a person as you can see here. The original picture is viewable on the photo above. I painted the picture in a large format (DIN A1) without any reason but as quite a lot of famous paintings show, the larger a painting is the more impressive it appears to the viewer. But maybe this only my personal sensation.

Illustration Girl - Frau in Blau
Illustration „Space Girl“

Dotting Art - Seehorses

Dotting – a new painting technique

In 2015 I started a new technique which I call “Dotting”. I’m still experimenting with it as there are different factors influencing the look of a picture and the composition. I tried ink and watercolor as I thoungt that the transparency of these colours are perfect for the technique. The first picture I made was this one. More a sketch than a painting but I wanted to try something out. I realised that I had to wait until the colour is dry and the real look comes out.

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Yes – in fact. It is dark but to be honest. I was in a dark period when I painted it. No comment but I will keep it for myself as a reminder for me. Then I found out what I can really do with the technique and I optimized the steps a little bit so that these paintings were done. The first one was on tumblr start page when I published it so that I received a lot of new followers. More than 400 reactions where on that picture. Not bad as start.

After this I came to the next step. I was thinking about animals and especially about their X-rays. I combined in my mind animal X-rays and their normal look so that first these two pictures came out. I was always focusing on the basic structure of the current animal and the X-ray gave me an idea of the lines I need to draw. I’m still working on new versions and at the moment I keep it as a secret as to what kind of tools I use for the technique but the tools are the important fact about the final look.